Karel Appel

Hiroshima Child

Appel Hiroshima Child Hara Museum Of Contemporary Art 1500
  • Karel Appel
  • Hiroshima Child
  • 1958
  • Öl auf Leinwand
  • 162 x 130 cm
  • Hara Museum of Contemporary Art © K. Appel Foundation/ VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Hiroshima Child (1958) ist durch einen energischen und intensiven Farbauftrag gekennzeichnet. Das dicke Impasto aus Schwarz, Weiß und Rot lässt an menschliche Gliedmaßen und dramatische Posen denken. Es handelt sich hier um eine apokalyptische Szene, die sich dem Titel zufolge auf den ersten der beiden Atombombenabwürfe der Vereinigten Staaten über Japan am 6. August 1945, kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs, bezieht. Gelbe und weiße Flecken repräsentieren den tödlichen Aufschlag und hüllen die Figuren in sich ein. Eine von ihnen wird in die Luft geschleudert
und ist dadurch fast nicht mehr imstande, das Kind in ihren Armen festzuhalten.

Die freie Linienführung und Formgebung des Werkes evozieren den aggressiven Umgang des Künstlers mit seinen Materialien, doch zugleich auch einen Geist kindlicher Unschuld, ein Ansatz, durch den Appel sich aus akademischen
Zwängen befreien konnte.

Petronela Soltész

Biografie von Karel Appel

  • Geboren 1921 in Amsterdam, Niederlande
  • Gestorben 2006 in Zürich, Schweiz

Karel Appel studierte Anfang der 1940er-Jahre an der Rijksakademie van Beeldende Kunsten (Reichsakademie der Bildenden Künste) in Amsterdam. 1948 war er Mitbegründer der Nederlands Experimentele Groep, die noch im selben Jahr mit Künstlern aus Kopenhagen und Brüssel zu kooperieren begann und in der avantgardistischen Künstlergruppe CoBrA aufging. 1949 schuf Appel für das Amsterdamer Rathaus ein von Folk Art, Kinderzeichnungen und moderner Kunst beeinflusstes, kontrovers diskutiertes Wandgemälde mit dem Titel Vragende Kinderen (Fragende Kinder) – es blieb zehn Jahre lang verhüllt. 1950 ließ er sich in Paris nieder und verließ die Gruppe CoBrA. Anschließend schloss er sich einer Künstlerbewegung an, die sich um den Kritiker Michel Tapié (1909–1987) scharte. Dieser gab dem von der Bewegung vertretenen Stil den Namen Art informel (bzw. Art autre).

Am bekanntesten sind Appels expressive, bunte Gemälde, die Fabelwesen und Masken zeigen. Er experimentierte aber auch erfolgreich in anderen Kunstgattungen und -feldern. 1953 wurden Werke von ihm im Palais des Beaux-Arts in Brüssel, 1954 in der Martha Jackson Gallery in New York gezeigt. Ebenfalls 1954 erhielt er den UNESCO-Preis der Biennale von Venedig, 1960 wurde ihm der Guggenheim International Award verliehen. In den 1980er-Jahren arbeitete Appel mit dem bekannten Beat-Poeten Allen Ginsberg (1926–1997) zusammen.