Antonio Tàpies

Forma negra sobre quadrat gris (Schwarze Form auf grauem Quadrat)

Tàpies Black From On Grey Square Fundació Antoni Tàpies 1500 - © Fondation Antoni Tàpies Barcelona/VG Bild-Kunst, Bonn 2016
  • Antonio Tàpies
  • Forma negra sobre quadrat gris (Schwarze Form auf grauem Quadrat)
  • 1960
  • Mischtechnik auf Leinwand
  • 162 × 162 cm
  • Collection Fundació Antoni Tàpies, Barcelona - © Fondation Antoni Tàpies Barcelona/VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Der Maler, Bildhauer und Kunsttheoretiker Antoni Tàpies ist für seine kühnen Experimente mit verschiedenen Techniken und Materialien wie Marmorstaub, Kreide, Sand und Erde bekannt, mit denen er raue und unebene Oberflächen schuf. 1950 reiste er mit einem Arbeitsstipendium der französischen Regierung nach Paris, wo er die damals in der französischen Kunst dominierenden abstrakt-gestischen Tendenzen des Tachismus und der Art brut kennenlernte. Seine „Materialbilder“ aus den späten 1950er- und frühen 1960er-Jahren zeigen, wie Tàpies in einem mehrteiligen Prozess innovative Materialien verwendet. Für Forma negra sobre quadrat gris (1960) trug der Künstler zunächst einen Lack auf die Leinwand auf. Noch bevor dieser zu trocknen begann, verteilte er darauf Marmorstaub, Sand sowie graue, braune und ockerfarbige Pigmente, bis sich eine dicke Grundschicht bildete. Am Ende malte er den schemenhaften, schwarzen Kopf und schabte tiefe, dünne Linien in diesen hinein sowie außen herum. Während des Trocknens bildeten sich Risse in der dicken Schicht aus Farbe und feinkörnigem Material, sodass das Bild einer weichen, aufgesprungenen Stuckwand ähnelt. Tatsächlich sah der Künstler darin so etwas wie ein Alter Ego, denn „tàpia“ ist das katalanische Wort für „Wand“. 

Die Kopfform am unteren Rand des Bildes scheint unter der dicken grauen Schicht gefangen oder begraben zu sein. Die Wand symbolisiert somit das Trennende zwischen zwei Räumen: Einerseits verwehrt sie den Zugang, andererseits bietet sie Schutz vor potenzieller Gefahr.

Petronela Soltész

Biografie von Antonio Tàpies

  • Geboren 1923 in Barcelona, Spanien
  • Gestorben 2012 in Barcelona, Spanien

Der Maler, Bildhauer und Kunsttheoretiker Antonio Tàpies gehört zu den berühmtesten europäischen Künstlern unserer Zeit. Zunächst studierte er Rechtswissenschaften an der Universität von Barcelona, doch 1944 brach er sein Studium ab, um an der Academia Valls in Barcelona Zeichenkurse zu besuchen. 

Da er sich mehr für die künstlerischen Mittel als für sein zeichnerisches Können interessierte, begann er mit Materialien und Techniken zu experimentieren – z.B. mit Collage, Grattage (Abkratzen einer Farbschicht von einer bemalten Leinwand) und Graffiti. Mit Marmormehl, Kalk, Sand und Erde schuf er zerkratzte und unebene Bildoberflächen mit haptischen Eigenschaften und assoziativen Qualitäten. 

In einigen späteren Werken verarbeitete er sogar dreidimensionale Objekte. 1948 war Tàpies Mitbegründer der avantgardistischen Gruppe Dau al Set (Siebenzähliger Würfel), die ein gleichnamiges Magazin herausgab. Im selben Jahr lernte er Joan Miró (1893–1983) kennen, mit dem er bis zu dessen Tod befreundet blieb. 

Tàpies arbeitete eng mit vielen Dichtern und Schriftstellern zusammen und war ein produktiver Essayist und Grafiker. Seine erste Einzelausstellung hatte er 1950 in der Galerie Laietanes in Barcelona. Noch im selben Jahr ermöglichte ihm ein Stipendium des französischen Staates einen mehrmonatigen Aufenthalt in Frankreich. 

1953 wurde sein Werk erstmals in den Vereinigten Staaten gezeigt. Tàpies erhielt zahlreiche Preise und wurde bereits 1962 im Alter von 39 Jahren mit einer Retrospektive geehrt.