Magda Cordell

Figure 59 (Figur 59)

Cordell Figure 59 Albright Knox Art Gallery 1500
  • Magda Cordell
  • Figure 59 (Figur 59)
  • 1958
  • Öl, Acryl auf Masonit
  • 243, 8 x 152,4 cm
  • Collection of the Albright-Knox Art Gallery, Buffalo, New York Gift of the Artist, 1995

Um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen, floh Magda Cordell im Zweiten Weltkrieg aus ihrem Heimatland Ungarn zunächst nach Ägypten und später nach Palästina. Bei Kriegsende hatte sie sich in London niedergelassen, wo sie sich den Avantgarde-Künstlern des Institute of Contemporary Arts und der Independent Group (1952−1956) angeschlossen hatte, einem Kollektiv von Künstlern, Schriftstellern und Philosophen, die die Einteilung in eine bürgerliche schöne Kunst und die Massenkultur ablehnten. Darüber hinaus war sie maßgeblich an der Planung der Ausstellung This is Tomorrow (1956) in der Whitechapel Gallery beteiligt, durch die die britische Pop-Art erstmals in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückte. Als Künstlerin galt ihr Interesse vor allem dem Futurismus und der Auseinandersetzung mit Darstellungsformen des menschlichen – insbesondere des weiblichen – Körpers, wobei sie aber auch das Malen nie aufgab.

In Form von orangefarbenen und blutroten Pinselstrichen zeichnet sich in Figure 59 (ca. 1958) die menschliche Gestalt in einer Palette dünnflüssig aufgetragener Farben ab. Ausgehend von klassischen Beispielen der menschlichen Gestalt, von denen Cordell sich inspirieren ließ, stellte sie diesen Körper nicht als Vertreter des Homo sapiens, des geistig am höchsten stehenden Geschöpfs, dar. Vielmehr präsentiert sie die menschliche Gestalt ein wenig „unmenschlich“ als vom Brustkorb bis zur Schulter reichenden Querschnitt, der den Blick auf die inneren Organe freigibt. Die Menschheit, die kurz davor steht, sich selbst zu zerstören – ein Motiv, das sich wie ein roter Faden durch das Denken und die künstlerische Praxis der Futuristen zog –, das ist die Interpretation, die sich beim Anblick der ,stümperhaften‘ Darstellung der Figur als kopfloser Torso ohne Gliedmaßen unweigerlich einstellt.

Nicolas Linnert

Biografie von Magda Cordell

  • Geboren 1921 in Ungarn
  • Gestorben 2008 in Sloan, New York, Vereinigte Staaten

Die ungarische Künstlerin Magda Cordell (geborene Magda Lustigova) floh im Zweiten Weltkrieg vor den Nazis nach Ägypten und Palästina. Dort arbeitete sie als Übersetzerin und lernte ihren ersten Mann, den Komponisten Frank Cordell (1918–1980), kennen, mit dem sie sich Anfang der 1950er-Jahre in London niederließ. Das Ehepaar teilte sein Atelier mit dem Künstler John McHale (1922–1978), Magdas späterem Ehemann.

1952 traten die Cordells als Mitbegründer der Independant Group (IG) in Erscheinung, eines britischen Künstlerkollektivs, das der Pop-Art den Weg bereitete. Cordell beteiligte sich aktiv an der Organisation der IG-Ausstellung This Is Tomorrow, die 1956 in der Londoner Whitechapel Gallery gezeigt wurde. Sie sah sich selbst ihr Leben lang in erster Linie als Malerin, obwohl sie ihre produktivste Phase als Künstlerin in den 1950er-Jahren hatte.

Ihre Gemälde zeigen entstellte Frauenfiguren und wurden oft mit den Werken Jean Dubuffets (1901–1985) verglichen bzw. mit der Art brut in Zusammenhang gebracht. Der Kunstkritiker Lawrence Alloway (1926–1990) erkannte in ihrem Werk auch „atomare Einflüsse“ sowie eine Beziehung zum Abstrakten Expressionismus.

Als Magda 1961 mit ihrem zweiten Mann in die USA zog, arbeitete McHale bei Buckminster Fuller an der Southern Illinois University, und beide Ehepartner begannen sich wissenschaftlich mit Futurologie zu beschäftigen. 1968 gründeten sie das Center for Integrative Studies an der Binghampton University im Bundesstaat New York. Später lehrte Magda McHale Futurologie und Kunst an den Universitäten von Houston (Texas) und Buffalo (New York).