Karel Appel

Exodus No. 1

Appel Exodus No 1 Blum Poe 1500
  • Karel Appel
  • Exodus No. 1
  • 1951
  • Gouache und Wachsmalkreide auf braunem Kraftpapier, befestigt auf Papier
  • 100 x 65 cm
  • Fondation Gandur pour l’Art, Genève, Switzerland. Courtesy Applicat-Prazan, Paris © K. Appel Foundation/ VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Image courtesy of the Foundation and Blum & Poe, Los Angeles/New York/Tokyo

Karel Appels Exodus no 1 (1951) bezieht sich auf das biblische Ausmaß der Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs, als Millionen von Menschen aus dem besiegten „Dritten Reich“ flohen. Die Flüchtlinge versuchten, so viele Habseligkeiten wie möglich mitzunehmen, was in den zahlreichen Gegenständen zum Ausdruck kommt, die hier auf einem kleinen Karren übereinandergestapelt sind,darunter auch ein Tier, das neben diesem entlang gleitet, und eine Figur, die eine Puppe oder ein kleines Kind im Arm hält. Auch Fragmente von Menschen wie Arme oder Beine, weit geöffnete Augen und ein Mund sind in dieser Collage zu erkennen. Obwohl der Karren selbst und sein Inhalt vielfarbig ausgeführt sind, verweist der trübe Hintergrund auf die finsteren Umstände der Reise.

Die freie Linienführung und Formgebung des Werkes evozieren den  aggressiven Umgangdes Künstlers mit seinen Materialien, doch zugleich auch einen Geist kindlicher Unschuld, ein Ansatz, durch den Appel sich aus akademischen
Zwängen befreien konnte.

Petronela Soltész

Biografie von Karel Appel

  • Geboren 1921 in Amsterdam, Niederlande
  • Gestorben 2006 in Zürich, Schweiz

Karel Appel studierte Anfang der 1940er-Jahre an der Rijksakademie van Beeldende Kunsten (Reichsakademie der Bildenden Künste) in Amsterdam. 1948 war er Mitbegründer der Nederlands Experimentele Groep, die noch im selben Jahr mit Künstlern aus Kopenhagen und Brüssel zu kooperieren begann und in der avantgardistischen Künstlergruppe CoBrA aufging. 1949 schuf Appel für das Amsterdamer Rathaus ein von Folk Art, Kinderzeichnungen und moderner Kunst beeinflusstes, kontrovers diskutiertes Wandgemälde mit dem Titel Vragende Kinderen (Fragende Kinder) – es blieb zehn Jahre lang verhüllt. 1950 ließ er sich in Paris nieder und verließ die Gruppe CoBrA. Anschließend schloss er sich einer Künstlerbewegung an, die sich um den Kritiker Michel Tapié (1909–1987) scharte. Dieser gab dem von der Bewegung vertretenen Stil den Namen Art informel (bzw. Art autre).

Am bekanntesten sind Appels expressive, bunte Gemälde, die Fabelwesen und Masken zeigen. Er experimentierte aber auch erfolgreich in anderen Kunstgattungen und -feldern. 1953 wurden Werke von ihm im Palais des Beaux-Arts in Brüssel, 1954 in der Martha Jackson Gallery in New York gezeigt. Ebenfalls 1954 erhielt er den UNESCO-Preis der Biennale von Venedig, 1960 wurde ihm der Guggenheim International Award verliehen. In den 1980er-Jahren arbeitete Appel mit dem bekannten Beat-Poeten Allen Ginsberg (1926–1997) zusammen.