Júlio Pomar

Étude para Ciclo do Arroz II (Studie für Reis-Zyklus II)

Pomar Étude Para Ciclo Do Arroz Ii Private Collection 1500 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 © Fundação Júlio Pomar
  • Júlio Pomar
  • Étude para Ciclo do Arroz II (Studie für Reis-Zyklus II)
  • 1953
  • Öl auf Masonit
  • 63 x 132 cm
  • Privatsammlung Luis de Carvalho e Oliveira, Lisbon - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 © Fundação Júlio Pomar

Für Júlio Pomar war Kunst nicht nur ein ästhetischer Ausdruck, sondern auch eine Waffe im Kampf für soziale, kulturelle und politische Anliegen. 1946 schloss er sich der Revolte gegen Portugals parafaschistische, durch António Salazar verkörperte Diktatur Estado Novo (Neuer Staat) an. Nach der gewaltsamen Unterdrückung der Dissidenten wurde Pomar eine Weile inhaftiert. 

Die Étude para Ciclo do Arroz II (Studie für Reis- Zyklus II, 1953) besteht aus drei Gemälden. Obwohl jedes der Bilder den Titel Étude trägt, und damit auf rasch ausgeführte Studien deutet, näherte Pomar sich seinem Thema mittels genau geplanter Feldforschung. 1953 besuchte er die Reisfelder von Ribatejo, nordöstlich von Lissabon, mit vier anderen zu den portugiesischen Neorealisten zählenden Künstlern. Die Gruppe lernten die Bauern dieser Gegend kennen, sprachen mit ihnen über ihr Alltagsleben, beobachteten ihre Gewohnheiten und fotografierten sie beim Einbringen der Ernte. Die so entstandenen Gemälde sind daher keine Landschaften, in denen die Figuren nur eine zweitrangige Rolle spielen, sondern eine Verherrlichung des Menschen, in diesem Fall der Bäuerinnen. Die schräge Linie der starken, robusten Frauen beherrscht die strenge Struktur des Bildes. Mit ihren Werkzeugen auf den Schultern marschieren sie mit demonstrativer Entschlossenheit auf die Betrachter zu. Mit ihrem fokussierten Blick und stereotypen Antlitz wirkt diese Bewegung mühelos. Die statueske Pose dieser monumentalen Figuren vermittelt Stärke und Energie – sonst nichts.

Petronela Soltész

Biografie von Júlio Pomar

  • Geboren 1926 in Lissabon, Portugal

Júlio Pomar nutzt die Malerei und das Schreiben, um seinen Gedanken Ausdruck zu verleihen. Er studierte ab 1942 an der Kunstakademie in Lissabon und ab 1944 an der Kunstakademie in Porto. 

Inspiriert von dem brasilianischen Maler Candido Portinari (1903–1962) und den mexikanischen Wandmalern Diego Rivera (1886–1957), David Alfaro Siqueiros (1896–1964) und José Clemente Orozco (1883–1949), wandte sich Pomar dem Neorealismus zu, um seine antifaschistischen Überzeugungen zum Ausdruck zu bringen. 

Seine Aktivitäten im Kampf gegen das Salazar-Regime führten 1946 zu seinem Ausschluss von der Hochschule. Anschließend schrieb er für Kunst- und Literaturzeitschriften und zeigte 1947 in der Galeria Portugália in Porto seine erste Einzelausstellung. 

1950 beschäftigte er sich in Spanien mit dem Werk Francisco de Goyas, das auf seine folgenden Arbeiten, wie etwa Maria da Fonte (1947), großen Einfluss haben sollte. Zurück in Portugal, experimentierte er in den 1950er-Jahren mit Wasserfarben, Gouache, Keramik sowie verschiedenen Drucktechniken und porträtierte zahlreiche Intellektuelle. 1956 gründete er die Kooperative Gravur. 

Nach seiner Übersiedelung nach Paris im Jahr 1963 verwendete Pomar verstärkt Acrylfarben für seine farbenprächtigen neo-expressionistischen Gemälde und Collagen, die von gestischem Pinselstrich, dynamischem Bildaufbau und kräftigen Farben gekennzeichnet sind. 1967 schuf er seine erste Assemblage aus Readymades