Gyula Kosice

Estructura lumínica Madí 6 (Leuchtende Madí-Struktur Nr. 6)

Kosice Estructura Lumínica Madí 6 Mfa Houston 1500 - © Gyula Kosice
  • Gyula Kosice
  • Estructura lumínica Madí 6 (Leuchtende Madí-Struktur Nr. 6)
  • 1946
  • Neongas, Plexiglas, Holzkassette
  • 60 × 50 × 12 cm
  • The Museum of Fine Arts, Houston. Museum purchase funded by Caroline Wiess Law Accessions Endowment Fund. 2004.1655 - © Gyula Kosice

Gyula Kosices Estructura lumínica Madí 6 (1946) ist eine der ersten Skulpturen, in denen das Element Neon vorkommt. Zwar war es schon länger üblich, Neonröhren in der Werbung und Beschilderung einzusetzen, doch in diesem Werk macht Kosice sie sich für künstlerische Zwecke zu eigen und schafft eine abstrakte Komposition, die mittels des negativen Raums ein Muster aus miteinander verschränkten geometrischen Formen bildet. Die dynamischen Formen laden den Betrachter ein, zwischen den Zeilen zu lesen und eine aktive Rolle bei der Konstruktion des Sinns zu spielen, statt einfach nur das Zeichen zu betrachten. In anderen Ländern gab es Neonzeichen schon seit Längerem, doch in Kosices Wahlheimat Buenos Aires waren sie erst seit kurzer Zeit Teil des Stadtbildes. Die Nacht, die zuvor eine dunkle Informationswüste gewesen war, wurde dank dieses technologischen Durchbruchs buchstäblich in Licht getaucht. Mit seiner Kunst feierte Kosice das Hinübergleiten der traditionellen Kultur in dieses neu angebrochene technologische Zeitalter. 

1946 gründete Kosice die Gruppe Madí, die in Buenos Aires angesiedelt war, aber Kontakte in Paris, Kuba und ganz Südamerika hatte, und deren Ziel es war, die Gesellschaft mittels der Kunst zu verbessern. Kosice glaubte, dass die Anwendung rationaler Prinzipien auf die Kunst einen Zustand herbeiführen könnte, in dem die Gesellschaft rationale und spirituelle Werte gleichermaßen einbeziehen könne. Indem er für Estructura lumínica Madí 6 die neueste Kommunikationstechnologie einsetzte, folgte Kosice den Zielen der Madí-Bewegung, die den Betrachter sowohl effizient als auch auf ästhetische Weise einbinden und in ihm sowohl moderne als auch rationale Gedanken auslösen wollte. Die blaue Farbe sollte ihn zu transzendentalem Denken inspirieren, die wechselseitig miteinander verbundenen geometrischen Formen hingegen den universellen und logisch denkenden Betrachter ansprechen.

Megan Hines

Biografie von Gyula Kosice

  • Geboren 1924 in Košice, Tschechoslowakei
  • Gestorben 2016 in Buenos Aires, Argentinien

Gyula Kosice gehörte zur Avantgarde der kinetischen Kunst und der Lichtkunst. Seine Familie wanderte nach Argentinien aus, als er vier Jahre alt war. Obwohl er Kunst an den Academias Libres studierte, verstand er sich in erster Linie als Autodidakt. 

Er war Mitbegründer der Zeitschrift Arturo (1944), nahm an den ersten Ausstellungen der Arte Concreto Invención (1945) teil und initiierte 1946 die Avantgarde-Bewegung Madí, für die er das gleichnamige Manifest schrieb und acht Ausgaben der Zeitschrift Arte Madí Universal herausgab. 1944 Kosice schuf Röyi, seine erste abstrakte Holzskulptur aus beweglichen Elementen; später entstanden Metallskulpturen mit scharnierartigen Verbindungen (Escultura articulada, 1946; Metro, 1950), deren Form von den Betrachtern verändert werden konnte. 

Wegweisend war seine Verwendung von Plexiglas und Neon in seiner Serie Estructuras lumínicasi seit 1946; als Erster verwendete er Wasser als zentrales Element in seinen „Hydroskulpturen“, die ab 1948 entstanden. Ende der 1960er-Jahre präsentierte Kosice mit seinem utopischen Projekt Ciudad hidroespacial Modelle für eine „Stadtplanung im Raum“. 

Er schuf auch Monumentalskulpturen, darunter eine Victoria (1988) für die Olympischen Spiele in Seoul, Korea, und das Monumento a la Democracia (Denkmal für die Demokratie, 2000) in Buenos Aires. Er vertrat Argentinien auf der Biennale von Venedig (1964), zeigte seine Werke in fast 200 Ausstellungen und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.