Mitchell Siporin

Endless Voyage (Endlose Reise)

Siporin Endless Voyage University Of Iowa Museum Of Art V1 1500
  • Mitchell Siporin
  • Endless Voyage (Endlose Reise)
  • 1946
  • Öl auf Leinwand
  • 111.1 × 123.8 cm
  • University of Iowa Museum of Art, Iowa City University acquisition, 1947.44

In den 1930ern und zu Beginn der 1940er-Jahre, als er beim Federal Art Project der Works Progress Administration beschäftigt war, einem Programm der US-amerikanischen Regierung, das Künstler finanziell unterstützte und im Gegenzug Wandmalereien, Staffeleibilder, Skulpturen, Grafiken, Plakate, Fotografien, Bühnenbilder und andere künstlerische und kunsthandwerkliche Arbeiten erhielt, war Mitchell Siporin ein einflussreicher Wandmaler. Der Sohn jüdischer und Jiddisch sprechender Einwanderer rückte 1942 in die US Armee ein und diente bis 1945 als Kriegskünstler in Nordafrika und Italien, wo er zahlreiche Werke schuf, die das Alltagsleben der Soldaten in Kriegszeiten schilderten. 

Siporins unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Werke wurden expressionistischer, erkundeten sie doch die physischen und psychologischen Nachwirkungen des Krieges. Endless Voyage (1946) veranschaulicht auf metaphorische Weise die Nöte des Lebens in der jüdischen Diaspora nach dem Zweiten Weltkrieg. Hunderte von Menschen sind auf ein Schiff gezwängt, das diese kaum alle zu fassen vermag, während es auf prekäre Weise über eine düstere, stürmische See stampft. Ausgemergelte Körper und die eintätowierten Nummern auf den Armen mehrerer Passagiere machen deutlich, dass es sich hier um Holocaust-Überlebende handelt, die nun auch noch einer gefährlichen Reise in eine ungewisse Heimat ausgesetzt sind. Der expressionistische Stil des Gemäldes bringt die seelische Verfassung der Passagiere zum Ausdruck, deren Gesichter von Erschöpfung, Skepsis und Hoffnung zeugen. Das in der Nähe des Mastes tanzende Paar legt möglicherweise eine hellere Zukunft nahe. Auf dem von dem Segel herabhängenden Spruchband steht „Eretz Israel“ (Land Israel), ein Hinweis auf das Ziel der Reisenden, die in Aussicht gestellte Nation Israel, für die es nach den Schrecken des Holocaust zunehmend Unterstützung gab.

Amy Rahn

Biografie von Mitchell Siporin

  • Geboren 1910 in New York, New York, Vereinigte Staaten
  • Gestorben 1976 in Newton, Massachusetts, Vereinigte Staaten

Mitchell Siporin war ein Künstler des sozialen Realismus, der sich überwiegend mit dem Thema Arbeit auseinandersetzte. Nach dem Umzug seiner Familie nach Chicago studierte er am Art Institute of Chicago (Crane College) und arbeitete Anfang der 1930er-Jahre als Illustrator für Magazine wie Esquire, The New Masses und Ringmaster

Mit seiner Serie Haymarket (1932–1935) – Illustrationen zu dem berüchtigten Haymarket Riot, einem Arbeiteraufstand, der 1886 in Chicago stattgefunden hatte – machte er schon früh auf sich aufmerksam. 

Von 1937 bis 1942 schuf er für die Works Progress Administration (WPA) Wandbilder in öffentlichen Gebäuden, u.a. im Postamt von St. Louis. Es war der größte Einzelauftrag, den die US-Regierung je vergab und eines der wenigen WPA-Projekte, das einen gesellschaftlichen Konflikt schildert. 

1939 war Siporin in der Ausstellung Century of Progress im Rahmen der New Yorker Weltausstellung vertreten. Nach dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg ging er zur Army und wurde im Rahmen des Army Art Program in Nordafrika und Italien eingesetzt. 

1945 erhielt er ein Guggenheim-Stipendium, 1949 wurde er mit dem Prix de Rome für Malerei ausgezeichnet. 1948 begann er als Direktor des Sommerschulprogramms an der School of the Museum of Fine Arts in Boston zu unterrichten. 1951 gründete er das Department of Fine Arts an der Brandeis University, wo er bis kurz vor seinem Tod lehrte.