Atsuko Tanaka

Electric Dress (Elektrisches Kleid)

Tanaka Electric Dress Takamatsu City Museum Of Art 1500
  • Atsuko Tanaka
  • Electric Dress (Elektrisches Kleid)
  • 1956/1986
  • Synthetische Farbe auf Glühlampen, Stromkabel und Steuerung
  • 165 × 80 × 80 cm
  • Takamatsu Art Museum

Tanaka Atsuko war eine der führenden japanischen Avantgarde-Künstlerinnen und ist vor allem für ihre experimentellen Werke bekannt. In ihren späteren Jahren produzierte sie aber auch abstrakte Kunst. Die tragbare Skulptur Electric Dress (1956/1986) war ihre radikale Antwort auf die staatlich vorgeschriebenen figurativen Stile und etablierten künstlerischen Materialien. Dabei war sie durchaus offen dafür, der Technik eine aktive Rolle im schöpferischen Prozess zuzuschreiben. Tanaka war Mitglied der 1954 in Osaka gegründeten Künstlervereinigung Gutai. Während bei anderen Künstlern der Gruppe jedoch vor allem Gestik und Körperlichkeit im Vordergrund standen, überließ Tanaka das notwendige performative Handeln den Lampen und Glocken ihrer Werke. Die fast zweihundert bunt bemalten Lampen des kimonoähnlichen Electric Dress schalten sich alle zweieinhalb Minuten ein und aus, wodurch eine blinkende Performance aus bewegtem Licht entsteht, die an das Pulsieren menschlicher Organe und Gefäße erinnert. Electric Dress hebelt somit althergebrachte Vorstellungen vom Künstler als Schöpfer aus und lässt stattdessen den Betrachter handeln, der aktiv das pulsierende Schauspiel beobachtet. Die Künstlerin hat das Kleid zwar durchaus für eine Performance entworfen, doch fungiert ihr Körper in diesem Fall nur als Träger für das Kunstwerk.

Caroline Wallace

Biografie von Atsuko Tanaka

  • Geboren 1932 in Osaka, Japan
  • Gestorben 2005 in Nara, Japan

Atsuko Tanaka war eine führende japanische Avantgardekünstlerin. 1950 begann sie an der Kyōto-shiritsu Geijutsu Daigaku (Städtische Kunsthochschule Kyōto) zu studieren, doch 1951 wechselte sie an das städtische Kunstinstitut von Osaka, um sich intensiver mit der modernen westlichen Kunst beschäftigen zu können. 

Ihr Ehemann, der Künstler Akira Kanayama (* 1924), war 1952 Mitbegründer der Zero-kai (Zero-Gesellschaft), der sich auch Tanaka anschloss. 1955 ging Zero-kai in der Gruppe Gutai auf. 1954 schuf Tanaka die Serie Calendar – Papiercollagen mit einer Abfolge von Ziffern –, später begann sie sich für Alltagsmaterialien zu interessieren, z.B. für maschinell eingefärbte Textilien, elektrische Türglocken und Glühbirnen. 

Wir verdanken ihr viele innovative Werke, darunter interaktive Performances unter Einbezug neuer Technologien. Auf der ersten Gutai-Ausstellung 1955 präsentierte sie ihr erstes interaktives Werk: Work (Bell) – eine Reihe elektrischer Glocken. 

Am berühmtesten ist ihr Electric Dress (1956), ein kimonoähnliches Kleidungsstück aus farbig angemalten Glühbirnen, das ein Kritiker als „eine kraftvolle Verschmelzung des traditionellen japanischen Kimonos mit der modernen industriellen Technologie“ beschrieb. Die Lichter repräsentieren pulsierende Systeme im Inneren des menschlichen Körpers. 

Später kehrte Tanaka mit großformatigen Leinwänden, die ineinander verflochtene konzentrische Kreise und mäandernde Linien zeigen, zur Malerei zurück. Werke der Künstlerin finden sich in bedeutenden Privatsammlungen und öffentlichen Sammlungen, u.a. im Museum of Modern Art in New York