Antonio Berni

La pampa tormentosa (Die stürmische Pampa)

Berni La Pampa Tormentosa Collection Of Inés Berni 1500 - © Archivio Antonio Berni
  • Antonio Berni
  • La pampa tormentosa (Die stürmische Pampa)
  • 1963
  • Öl, Tempera, Holzstöcke, Metalle, Pappe, bedrucktes Papier, Plastikknöpfe, Fäden und Spitzenfragmente auf zwei Sperrholzplatten
  • 300 x 400 cm
  • Privatsammlung - © Archivio Antonio Berni

Antonio Berni, der sich mit dem politischen und kulturellen Leben seines Landes tief verbunden weiß, scheute nicht davor zurück, sich in seinen Werken mit Themen wie Armut, Prostitution, die Bedrohung durch einen Atomkrieg oder den Niedergang der Städte zu befassen. Aufgrund eines verheerenden Einbruchs der landwirtschaftlichen Produktion zogen Argentinier in den 1940er- und 1950er-Jahren in rekordverdächtiger Zahl vom Land in die Stadt. Doch damit war ihnen noch nicht geholfen. Viele Neuankömmlinge waren dort von Arbeitslosigkeit, Verbrechen und unwirtlichen Bedingungen umgeben. Das Leben in der Stadt war hart, eine Tatsache, die sich auch in Bernis Wahl seiner Materialien widerspiegelt, die sich größtenteils in städtischem Abfall befunden hatten. Der argentinische Künstler, der in einem von ihm als Neuer Realismus bezeichneten Stil arbeitete, bezog sich damit nicht auf Realismus als Stil, sondern auf eine Schilderung der Wirklichkeit, so wie sie sich um ihn herum darstellte.

La pampa tormentosa (Die stürmische Pampa) (1963), Bernis gewaltige Anti-Hommage an Argentiniens berühmte Pampa oder Prärie, überwältigt den Betrachter mit einer umfassenden Landschaft aus zusammenmontiertem Schrott und Abfall. Ein Krokodil jagt seine Beute durch die postapokalyptische Szene, die Freiheitsstatue steckt in einer Müllhalde, und in der Ecke unten rechts liegt eine aufgegebene leere Stadt. Die Krokodiljagd bezieht sich auf die alltägliche Gewalt, der Städtebewohner sich gegenübersehen. Doch die Spitzen- und Stoffstückchen sowie die Knöpfe, die das Geschöpf umfassen, fügen der Komposition auch reine, helle Farben hinzu und legen nahe, dass das Leben selbst inmitten der Auslöschung weiterblüht, wenn auch auf rohe Weise.

Megan Hines

Biografie von Antonio Berni

  • Geboren 1905 in Rosario, Argentinien
  • Gestorben 1981 in Buenos Aires, Argentinien

Antonio Berni erhielt 1925 ein Reisestipendium für Europa. Zunächst reiste er nach Spanien, anschließend ließ er sich in Paris nieder, wo er an der Académie de la Grande Chaumière Kurse bei André Lothe (1885–1962) und Othon Friesz (1879–1949) besuchte. Nach einer kurzen Stippvisite in seiner Heimat kehrte er 1927 nach Paris zurück, wo er bis 1930 lebte. 

Während dieser Zeit schuf er surrealistische Gemälde und beschäftigte sich mit dem Marxismus. Anfang der 1930er-Jahre begab er sich erneut nach Argentinien, das nach einem Militärputsch politisch und gesellschaftlich dahinsiechte. 

Bernis künstlerische Praxis blieb davon nicht unberührt. 1933 gründete er die Gruppe Nuevo Realismo und wandte sich der politischen Kunst zu, die Ungerechtigkeit und soziale Ungleichheit anprangerte und ihn nie wieder losließ. Im selben Jahr schuf er zusammen mit David Alfaro Siqueiros (1896–1974) das Wandbild Ejercicio Plástico

Seine großformatigen, sozialkritischen Gemälde zeichnen sich durch narrative Qualitäten und eine realistische Darstellungsweise aus. Mitte der 1950er-Jahre begann Berni aus Plunder und Industriemüll Assemblagen zu fertigen. 1958 erfand er die Figuren Juanito Laguna (einen Jungen aus den Slums) und Ramona Montiel (eine Prostituierte), deren Misere er in einer Reihe von Drucken und Assemblagen schilderte. 

Er repräsentierte Argentinien 1962 auf der Biennale von Venedig, wo er mit dem Großen Preis für Grafik ausgezeichnet wurde.