Prince Twins Seven Seven

Devil’s Dog (Hund des Teufels)

Seven Seven Devils Dog Iwalewahaus 1500 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. DEVA, Universität Bayreuth
  • Prince Twins Seven Seven
  • Devil’s Dog (Hund des Teufels)
  • 1964
  • Tusche und Gouache auf Papier
  • 73,5 × 113,8 cm
  • Iwalewahaus, Universität Bayreuth - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. DEVA, Universität Bayreuth

Der primär autodidaktische Künstler Twins Seven Seven erhielt seine einzige Ausbildung, als er in den 1960ern an informellen Osogbo-Workshops teilnahm und mit europäischen Expats zu tun hatte, zu denen Ulli und Georgiana Beier sowie Susanne Wenger zählten. Sein Stil ist durch ein hektisches Netzwerk aus feinen Linien, ausufernden Mustern und einer emotional aufgeladenen Farbgebung gekennzeichnet – Eigenschaften, die an die Leuchtkraft und Feinheit mittelalterlicher Miniaturmalerei erinnern. Bei seinen selten in der Wirklichkeit wurzelnden Figuren handelt es sich um Zwitterwesen, die der komplexen Kosmogonie der Yoruba oder seiner eigenen imaginierten Folklore entstammen. Das wichtigste Geschöpf in Devil’s Dog (1964) ist von einem Werk der zeitgenössischen Literatur inspiriert, was die enge Verbindung visueller und literarischer Kunst in Nigeria veranschaulicht. Motiviert von der Erzählweise der Yoruba, die Amos Tutuola (1920–1997) in seinen magisch-realistischen Romanen anwandte, integriert Twins Seven Seven in diesem Gemälde nahtlos Fantastisches und Spirituelles und erzielt damit eine irritierende Wirkung. 

Ein dreiäugiges, fünfbeiniges Geschöpf, das einen kunstvoll verzierten Kopfputz zur Schau trägt, wirft einen Blick zurück über den Regenbogen seines gefiederten Körpers und seinen in einen Schlangenkopf auslaufenden, schuppenbewehrten Schwanz. Der ausdruckslose Blick der riesigen Kreatur führt den Betrachter zurück zu dem bleichen, eulenartigen Antlitz, das, als eines unter mehreren auf komplizierte Weise geschilderten, über die Komposition verstreuten Gesichter unter seiner eigenen Haut wächst. Innerhalb seiner planen Oberfläche und der überwältigenden Kakofonie aus Linien strotzt dieses Gemälde vor wilder Energie. Twins Seven Seven, der im Schnittfeld einer im Ausland erfolgten Ausbildung, nigerianischer Literatur und der Wildnis seiner eigenen Imagination arbeitet, benutzt die Rippe eines Palmblatts als sein feines Zeicheninstrument, das es ihm ermöglicht, die unsichtbare Welt mit dekadenten Ornamenten zu überziehen.

Joseph Underwood

Biografie von Prince Twins Seven Seven

  • Geboren 1944 in Ogidi, Nigeria
  • Gestorben 2011 in Ibadan, Nigeria

Prince Twins Seven Seven begann seine künstlerische Laufbahn als Tänzer und Musiker in Nigeria. 1964 kam er mit einer Medizinshow nach Oshogbo, wo er spontan bei einem Fest des Mbari Mbayo Club auftrat.

Der deutsche Sprachwissenschaftler und Schriftsteller Ulli Beier (1922‒2011), der den Club gegründet hatte, um die afrikanische Kunst und Kultur zu fördern, erkannte Twins Seven Sevens Talent und seine persönlichen Qualitäten und überzeugte ihn, bei der Gruppe zu bleiben.

Noch im selben Jahr nahm Twins Seven Seven an einem Workshop von Beiers Frau Georgina teil und schuf seine erste Zeichnung mit Feder und Tusche, Devil’s Dog. Aufgrund seiner bunten Palette und der imaginativen, dichten Metaphorik, die meist von der Folklore, der Religion und dem Alltagsleben der Yoruba inspiriert waren, fiel sein Werk von Anfang an aus dem Rahmen. 

Die Ornamentik seiner spontanen Kompositionen basierte auf den Mustern traditioneller Textilien. Formale Regeln, Perspektive und Proportion spielten keine Rolle. Twins Seven Seven entwickelte sich zu einem führenden, einflussreichen Repräsentanten der Oshogbo-Schule und erlangte internationale Anerkennung. 

Sein Werk wurde in Oshogbo, Lagos, Europa und in den Vereinigten Staaten ausgestellt, wo er sich Ende der 1980er-Jahre niederließ. 1989 nahm er an der vom Centre Georges Pompidou veranstalteten Ausstellung Magiciens de la Terre in Paris teil; 2005 wurde er von der UNESCO zum „Künstler für den Frieden“ ernannt.