Marwan Kassab-Bachi

Das Bein (The Leg)

Marwan Das Bein Private Collection Angelika V  Schwedes Frei - © Marwan Kassab-Bachi. Photo: Jörg von Bruchhausen
  • Marwan Kassab-Bachi
  • Das Bein (The Leg)
  • 1965
  • oil on canvas
  • 81 × 100 cm
  • - © Marwan Kassab-Bachi. Photo: Jörg von Bruchhausen

Der Künstler Marwan Kassab-Bachi untersucht mit seinem Werk nach eigener Aussage, „die Fähigkeit des Fleisches, erotische, gesellschaftliche und politische Sehnsüchte, Hemmungen und Verbote zu verkörpern“. Mit Bezug auf die benachbarten Traditionen der Landschafts- und Porträtmalerei zeigt Das Bein (1965) das Gesicht des Künstlers vor einem Bein, das ihm, aus der Richtung des Betrachters kommend, einen Stöckelschuh entgegenstreckt, ihn ,einklemmt‘, sozusagen „auf frischer Tat“ festhält. Das eine Auge des Künstlers blickt starr geradeaus, das andere schaut beschämt weg und spiegelt die innere Unruhe wider, die erotischem Begehren zugrundeliegt. Dieses Bild gewährt einen Zugang zur quälenden Welt von „Eros und Thanatos“ (Liebe und Tod), erlaubt es doch dem Künstler, seine persönlichen, fleischgewordenen Qualen mit universeller Sinndeutung zu verknüpfen. Das Fremdheitsempfinden des Künstlers wird verstärkt durch den unbestimmten weißen, leeren Bereich hervorgehoben, auf dem sowohl der Kopf als auch das Bein aufliegen. Dieser Bereich ähnelt solchen in anderen Porträts aus jener Phase, von denen es heißt, sie seien ihrem Wesen nach der „arabischen Landschaftsmalerei“ verwurzelt. In der Platzierung der Figuren in ungewissem Raum liegt eine Parallele zu Kassab-Bachis eigener schwieriger Erfahrung mit Orten (als ein syrischer, im früheren West-Berlin lebender Künstler). Zugleich impliziert sie, dass eine solche Topografie auf die panarabische Identität und einen besonderen Ort und Platz anspielt.

Damian Lentini

Biografie von Marwan Kassab-Bachi

  • Geboren 1934 in Damaskus, Syrien

Kassab-Bachi zog 1957 nach Berlin, wo er an der Hochschule für Bildende Künste bei Hann Trier (1915–1999) studierte. Von 1962 bis 1970 arbeitete er in einer Pelzfabrik und begann nebenbei Porträts zu malen. 1963 schloss er sich dem Kreis um Georg Baselitz (* 1938) und Eugen Schönebeck (* 1936) an. 

In den 1970er-Jahren, die Kassab-Bachi als eine Zeit der künstlerischen Umkehr beschreibt, entwickelte er seine ersten Gesichtslandschaften. Im Laufe der Jahre kehrte er immer wieder zu diesem Motiv zurück. Auch machte er sich mit dem Abstrakten Expressionismus und dem Tachismus vertraut. 

Seine Porträts sind Archetypen: individuell und zugleich universell. Die wohlüberlegt ausgewählten Farben – manchmal nur vier oder fünf Töne – gehen fließend ineinander über, sodass die Flächigkeit des Gemäldes betont wird. Die Figuren sind vor undefinierbare Hintergründe gesetzt und wirken daher isoliert. 

Von 1977 bis 1979 war Kassab-Bachi Gastprofessor für Malerei an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin (ab 1975 Hochschule der Künste, heute Universität der Künste). 1980 wurde er zum ordentlichen Professor ernannt, 2002 emeritiert. 1994 wurde er als erstes arabischstämmiges Mitglied in die Berliner Akademie der Künste aufgenommen.