Aluísio Carvão

Cubocor (Farbkubus)

Carvão Cubacor Collection Of Luís Antônio De Almeida Braga 1500
  • Aluísio Carvão
  • Cubocor (Farbkubus)
  • 1960
  • Pigment und Öl auf Beton
  • 16,5 × 16,5 × 16,5 cm
  • Privatbesitz, Rio de Janeiro

Aluísio Carvão, ein Gründungsmitglied der in Rio de Janeiro ansässigen Gruppe der Neo-Konkretisten, wollte den Betrachter in das Kunstwerk einbeziehen, indem er beide den Raum miteinander teilen ließ. Der Betrachter war eingeladen, individuell auf das Werk zu reagieren. Konkrete Kunst hingegen ging von einem allgemeinen, universellen und rationalen Publikum aus, dessen Erfahrung auf passivem Schauen beruhte. Wie andere Neo-Konkretisten erkundete Carvão in der Folge mittels unkonventioneller Materialien wie Nägeln, Fäden und Kronkorken kinetische und akustische Aspekte der Kunst.

Von 1957 bis 1960 entwickelte Carvão seine Cromáticas (Chromatiken), eine Serie von Gemälden ohne Rahmen. Dadurch, dass er diese Grenzen entfernte, begriff Carvão die Beziehung von Malerei und Wand auf neue Weise als eine des Austauschs, während seine früheren konkreten Gemälde die geometrischen und Farb-Beziehungen innerhalb des definierten Raums der Leinwand erkundet hatten. 1960 ging Carvão von der Malerei zur Skulptur über, da er immer unzufriedener mit der Fähigkeit der konkreten Malerei war, die Erfahrung der Farbe als Ding an sich auszudrücken. Cubocor (1960) ist die zu einem Kubus gewordene Farbe Rot. Farbe als Skulptur wurde zu einem Objekt, dem der Betrachter real entgegentreten konnte, statt einfach nur expressionistisches Werkzeug des Künstlers zu sein. Auf diese Weise integrierte Carvão die Skulptur in ihren Umraum und ermöglichte so eine Begegnung zwischen ihr und dem Betrachter.

Megan Hines

Biografie von Aluísio Carvão

  • Geboren 1920 in Belém, Pará, Brasilien
  • Gestorben 2001 in Poços de Caldas, Minas Gerais, Brasilien

Der brasilianische Künstler Aluísio Carvão begann seine Laufbahn als Illustrator und figurativer Maler. Nach Erhalt eines staatlichen Stipendiums für Kunstlehrer zog er 1949 nach Rio de Janeiro. Dort besuchte er im Museum of Modern Art unentgeltliche Kurse bei Ivan Serpa, einem Vertreter der geometrischen Abstraktion. Unter Serpas Einfluss schloss sich Carvão in den 1950er-Jahren der avantgardistischen Grupo Frente an und schuf radikale Werke wie die aus schwarz-weißen Linien aufgebaute Spirale Ritmo Centrípeto-Centrifugal (1958) und die Serie Cromáticas (1957–1960), deren Gemälde ungerahmt blieben.

1959 unterzeichnete Carvão zusammen mit anderen Künstlerinnen und Künstlern wie z.B. Lygia Clark (1929–1988) und Lygia Pape (1927–2004) das Neo-Concrete Manifesto. In seiner neokonkreten Periode setzte sich Carvão mit der Farbe als Sujet auseinander. 1960 nahm er an der Gruppenausstellung Konkrete Kunst in Zürich und an der Neo-Concrete Art Exhibition in München teil. Außerdem lehrte er als Gastprofessor an der Ulmer Hochschule für Gestaltung.

Nach seiner Rückkehr nach Brasilien 1963 war er als Lehrer und Grafikdesigner tätig. In den 1960er- und 1970er-Jahren schuf er kinetische Kunstwerke, in denen er Alltagsgegenstände wie Kronkorken, Nägel und Schnüre verarbeitete. Ende der 1970er-Jahre begann er wieder auf Leinwand zu malen; seine Bilder aus den 1990er-Jahren verweisen auf die „reine Geometrie“ von Graffiti und anderen Objekten.