Jean Dubuffet

Corps de dame – Pièce de boucherie (Frauenkörper – Fleischerstück)

Dubuffet Corps De Dame Fondation Beyeler Frei - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Beyeler Collection
  • Jean Dubuffet
  • Corps de dame – Pièce de boucherie (Frauenkörper – Fleischerstück)
  • 1950
  • Öl auf Leinwand
  • - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Beyeler Collection

Mit ihren grotesken unförmigen Körpern und groben Oberflächen waren La Dame au Pompon (1946) und Corps de dame – Pièce de Boucherie (Frauenkörper – Fleischerstück) (1950) von Jean Dubuffet als bewusster Angriff auf europäische ästhetische und kulturelle Werte gedacht und brachten seine Ablehnung von Schönheitskonventionen, künstlerischer Fertigkeit und klassischer Verfeinerung zum Ausdruck. Dubuffet war ein eifriger Sammler und Fürsprecher dessen, was er als „art brut“ bezeichnete, darunter Kinderzeichnungen, Graffiti und die Kunst von Geisteskranken, die er als praktikable Alternative zur akademischen Tradition begriff. In seinen eigenen Werken versuchte Dubuffet mit dem zu wetteifern, was er als die „grobe“ oder „primitive“ Qualität der Art brut begriff.

Im Fall von La Dame au Pompon ritzte er die grob gezeichnete Figur eines weiblichen Aktes in einen dicken pastosen Grund, dessen Farbe und Oberflächenbeschaffenheit an Schlamm oder Fäkalien erinnern. Bei diesen Werken, die Dubuffet als seine Hautes Pâtes (Dicke Impastos)-Serie bezeichnete, trug er eine Paste aus Ölfarbe, Gips, Sand und Kies auf einen gehöhten, reliefartigen Untergrund auf, und benutzte dann entweder ein Palettenmesser oder den Griff seines Pinsels, um die Konturen der Figur nachzuzeichnen. Hier wird die Unterscheidung zwischen Figur und Grund radikal untergraben, da die äußerst schlichte Strichzeichnung auf die grobe Oberfläche des Gemäldes trifft. 1950 begann Dubuffet seine Serie Corps de dame (Frauenkörper), in der er sich ironisch mit der langen Tradition des weiblichen Aktes in der westlichen Kunst auseinandersetzte. Bei Corps de dame – Pièce de Boucherie (Frauenkörper – Fleischerstück) wird der Akt nicht mehr als ein idealisiertes Emblem klassischer Schönheit verherrlicht, sondern stattdessen als ein Stück Fleisch dargeboten, als abgeplattete, pinkfarbene Fleischmasse.

Rachel Wetzler

Biografie von Jean Dubuffet

  • Geboren 1901 in Le Havre, Frankreich
  • Gestorben 1985 in Paris, Frankreich

Jean Dubuffet begann 1917 an der École des Beaux-Arts in Le Havre Malerei zu studieren und zog ein Jahr später nach Paris. Dort besuchte er für kurze Zeit die Académie Julian, gab die Malerei aber 1924 auf. Rund acht Jahre lang hielt er sich komplett fern von allem, was mit Kunst zu tun hatte, doch 1942 kehrte er zur Malerei zurück. In seiner ersten Einzelausstellung, die 1944 in der Pariser Galerie René Drouin stattfand, zeigte er Gemälde, die das Leben in der Hauptstadt auf vereinfachte, oft humorvolle Weise schilderten (die Serie Metro, 1943). In den 1940er-Jahren bemühte er sich um einen Ansatz, der frei von allen akademischen Zwängen war, und entwickelte seinen eigenen, kindlich anmutenden Stil, der auf dem Bildvokabular von Kindern und Geisteskranken aufbaute. 1945 bezeichnete er sein künstlerisches Konzept erstmals als „Art brut“. 1948 gründete er die Compagnie de l’Art Brut; 1948 publizierte er den Essay L’Art Brut Préferé aux Arts Culturels. Dubuffet experimentierte mit Malerei, Lithografie, Bildhauerei und Schriftstellerei. Er bearbeitete die Oberflächen seiner Bilder mit Sand, Gips, Teer und Kies, um ihnen eine bestimmte Textur zu verleihen. 1962 begann er, inspiriert von einer Kritzelei, die er während eines Telefongesprächs angefertigt hatte, mit der Serie Hourloupe. 2001 ehrte ihn das Centre Pompidou in Paris mit einer Retrospektive.