Lucio Fontana

Concetto Spaziale (Raumkonzept)

Fontana Concetto Spaziale Fondazione Lucio Fontana 1500 - © Lucio Fontana by SIAE/VG Bild-Kunst, Bonn 2016 © Fondazione Lucio Fontana
  • Lucio Fontana
  • Concetto Spaziale (Raumkonzept)
  • 1949
  • Papier auf Rahmen
  • 100 x 100 cm
  • Fondazione Lucio Fontana - © Lucio Fontana by SIAE/VG Bild-Kunst, Bonn 2016 © Fondazione Lucio Fontana

In seinen frühen Jahren lebte Lucio Fontana abwechselnd in der väterlichen Heimatstadt Mailand und im Geburtsort seiner Mutter in Argentinien. Eine Zeitlang arbeitete er im Bildhaueratelier seines Vaters in Argentinien, bevor er sich 1928 in Mailand an der Accademia di belle arti di Brera immatrikulierte. Während der 1930er-Jahre bereiste Fontana Italien und Frankreich, arbeitete viel mit Keramik und schloss sich mehreren Künstlergruppierungen an, so etwa der Pariser Abstraction-Création und der Mailänder antifaschistischen Bewegung Corrente. Später zog er nach Buenos Aires und war Mitbegründer der Academia de Altamira. Nach seiner Rückkehr nach Mailand im Jahr 1947 brachte Fontana zusammen mit anderen Intellektuellen das Manifesto dello Spazialismo (Manifest des Spatialismus) heraus, welches neue künstlerische Formen zur Darstellung des Raums postulierte.

Die von Fontana mit Concetto Spaziale betitelten Werke stellen leere oder monochrome Leinwände dar, die mit unterschiedlichen Perforationen und anderen Markierungen versehen sind. Diese sind in zwei große Gruppen geteilt: Ab 1949 entstehen Buchi (Löcher), ab Mitte der 1950er-Jahre Tagli (Schnitte). In dem hier gezeigten Concetto Spaziale (1949) hat Fontana das Leinenpapier gewaltsam traktiert, es mehrfach perforiert, eingeschnitten, durchstoßen und geritzt. Der Künstler befasst sich dabei ausschließlich mit dem Bildträger, reißt ihn ein, stößt runde und dreieckige Löcher hinein. Auf diese Weise stellt er die vorherrschende Darstellungskonvention infrage, bei der Materialien oder Substanzen zur Erzeugung eines visuellen Effekts auf eine Oberfläche aufgetragen werden.

Nicolas Linnert

Biografie von Lucio Fontana

  • Geboren 1899 in Rosario di Santa Fé, Argentinien
  • Gestorben 1968 in Comabbio bei Varese, Italien

Bekanntheit erlangte Lucio Fontana als Begründer der Künstlerbewegung des Spazialismo und aufgrund seiner Verbindung zur Arte Povera. Seine Familie war 1905 nach Italien zurückgekehrt, Fontana ging jedoch 1922 wieder nach Argentinien, um seinem Vater in dessen Bildhauerwerkstatt zur Hand zu gehen. 1924 richtete er sich ein eigenes Atelier ein und erhielt eine Reihe bedeutender öffentlicher Aufträge. 1928 studierte er an der Accademia di Belle Arti di Brera, 1930 nahm er an der Biennale von Venedig teil und 1931 hatte er seine erste Einzelausstellung in der Galleria del Milione in Mailand. 

In Albisola experimentierte Fontana in den 1930er-Jahren mit abstrakten Figuren, geometrischen Formen und Keramikskulpturen. 1940 kehrte er erneut nach Argentinien zurück, wo er an verschiedenen Institutionen unterrichtete. Angeregt durch den Kontakt mit jungen Künstlern verfasste er 1946 sein berühmtes Manifesto Bianco und ging dazu über, seine Arbeiten als concetto spaziale (Raumkonzept) zu bezeichnen. 1947 kehrte er nach Mailand zurück, wo er sich der Bewegung des Spazialismo (Raumkunst) anschloss und das Manifesto dello Spazialismo verfasste. 

In seinem Ambiente spaziale a luce nera (1948–1949), das in einem abgedunkelten Raum präsentiert wird, kombinierte Fontana verschnörkelte Formen mit fluoreszierenden Farben und schwarzem Licht. Anlässlich einer Ausstellung seiner Werke in der Galerie von Martha Jackson reiste er 1961 nach New York. 1966 entwarf er darüber hinaus Bühnenbilder und Kostüme für die Mailänder Scala.