Rhod Rothfuss

Composición Madí (Komposition Madí)

Rothfuss Composición Madí Mfa Houston 1500
  • Rhod Rothfuss
  • Composición Madí (Komposition Madí)
  • 1946
  • Emaille auf Holz
  • 86,4 x 49,8 cm
  • The Museum of Fine Arts, Houston. Museum purchase funded by Caroline Wiess Law Accessions Endowment Fund. 2004.1658

Das Gemälde Composicíon Madí (1946) von Rhod Rothfuss geht auf eine künstlerische Strömung in Argentinien zurück, an deren Spitze er zusammen mit Carmelo Arden Quin und Gyula Kosice stand. Der Begriff »Madí« entstand 1946 in einer Phase der intellektuellen Auseinandersetzung zwischen einzelnen Mitgliedern der argentinischen Avantgarde und sollte dazu dienen, die künstlerische Praxis dieser Gruppe von derjenigen der Künstler der geometrischen Abstraktion um den Künstler Tomás Maldonado (geb. 1922) zu unterscheiden.

Ein wesentliches Thema der Madí-Gruppe, und auch von Rhod Rothfuss’ Malerei und Kunsttheorie, war die Frage des Rahmens oder, allgemeiner gefasst, des Randes der Leinwand. In seinem programmatischen Text El marco: un problema de la plástica actual (Der Rahmen: Ein Problem der zeitgenössischen Kunst) erläuterte Rothfuss seine Gedanken über den Rahmen in dem ersten und einzigen Heft der Kunstzeitschrift Arturo, das 1944 in Buenos Aires erschien. Ein Gemälde sollte »in sich selbst beginnen und enden«, erklärte er, und »der Rand der Leinwand spielt bei einem Kunstwerk eine aktive Rolle«. Auf der Grundlage dieser Ideen begann Rothfuss auf »shaped canvases«, also auf ungewöhnlich geformten Leinwänden, zu malen. Bei seiner Arbeit mit unregelmäßig zugeschnittenen Rahmen ging er dabei zweigleisig vor. Entweder begann er mit dem Sujet und ließ dann zu, dass sich die Komposition auf organische Weise weiter ausbreitete und so den Rand des Bildes selbst bestimme, oder aber er legte zuerst die Form des Rahmens fest und arbeitete sich dann von außen nach innen vor, sodass der Rand des Bildträgers den Inhalt des Gemäldes bestimmte.

Daniel Milnes

Biografie von Rhod Rothfuss

  • Geboren 1920 in Montevideo, Uruguay
  • Gestorben 1969 in Montevideo, Uruguay

Als Theoretiker des „unregelmäßigen Rahmens“ erweiterte Rhod Rothfuss (eigentlich Carlos María Rothfuss) in seinem reifen Werk die Grenzen des Konstruktivismus, indem er geometrische und unregelmäßige Formen in seine leuchtend bunten Werke aufnahm. 

Rothfuss studierte Kunst in Montevideo, bis er 1942 nach Buenos Aires ging. Dort schloss er sich einer Gruppe um den argentinischen Designer Tomás Maldonado (* 1922), den uruguayischen Künstler Carmelo Arden Quin (1913–2010) und den aus der Slowakei stammenden Maler Gyula Kosice (1924–2016) an, die eine Zeitschrift mit dem Titel Arturo publizierte. 

Sie enthielt Kunstwerke und Manifeste von Künstlern, die die geometrische Abstraktion der traditionellen figurativen und symbolischen Malerei vorzogen, erschien aber nur ein einziges Mal. Rothfuss behauptete in einem der Arturo-Beiträge, dass die Selbstreflexivität in der Malerei geformter Rahmen bedürfe. 

1945 nahm er an der ersten Ausstellung der Asociación Arte-Concreto-Invención (Gesellschaft zur Erfindung der konkreten Kunst) teil. Mit Quin und Kosice gründete er die Splittergruppe Madí, die sich für eine universelle konkrete Kunst aussprach, zu der auch Musik und andere Kunstformen gehören sollten. 

Madí veröffentlichte von 1947 bis 1954 eine eigene Zeitschrift. Ab 1947 nahm Rothfuss an den meisten wichtigen lokalen und internationalen Ausstellungen von Madí teil. Er vertrat Argentinien beim ersten Salon des Réalités Nouvelles im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris im Jahr 1948.