Mathias Goeritz

El Serpente (Die Schlange)

Goeritz The Serpent Courtesy Ida Rodriguez Prampolini And Daniel Goeritz Rodriguez 1 1500 Jpg - © Mathias Goeritz © Armando Salas Portugal Foundation
  • Mathias Goeritz
  • El Serpente (Die Schlange)
  • 1953
  • Holz bemalt
  • 428 × 874 × 407 cm
  • Courtesy L.M. Ida Rodríguez Prampolini and Daniel Goeritz Rodríguez & Galería La Caja Negra, Madrid. Reconstruction authorized by Instituto Nacional de Bellas Artes y Literatura, Mexico City, 2016. - © Mathias Goeritz © Armando Salas Portugal Foundation

El Serpente (1953), eine massive abstrakte Stahlskulptur, war das erste Objekt, das Besucher des Museo Experimental El Eco 1953 in Mexiko-Stadt willkommen hieß. Mathias Goeritz entwarf das Gebäude als eine „lebendige Institution“, als einen Raum, in dem multidisziplinäre Projekte stattfinden konnten. Das Auf und Ab der Skulptur erinnert an die Bewegungen einer Schlange, aber auch an die alten Tempelpyramiden Mesoamerikas. Goeritz zufolge sollte El Serpente (Die Schlange) das Eröffnungsstatement des Museums sein und war sein erster Versuch, „emotionale Architektur“ herzustellen. El Eco war ein neo-konkretes Gebäude, in dem mit der erklärten Absicht, durch das Evozieren „echter Gefühle“ eine „spirituelle Erhebung“ hervorzurufen, unter einem Dach Kunst, Musik, Theater, Literatur und Film beheimatet sein sollten. Goeritz hoffte, das Museum würde ein Gegengift zu dem bilden, was er als die kalte und entmenschlichende Rationalität der funktionalen Architektur im Mexiko der Nachkriegszeit empfand. 

Die dramatische, abstrakte Gestalt von El Serpente (Die Schlange) ergänzte die Architektur von El Eco, einem fantasievollen Gebäude, das die Regelmäßigkeit waagrechter Oberflächen oder rechter Winkel mied. Durch seine unregelmäßige Gestalt lud es die Betrachter ein, sich aktiv mit dem Raum auseinanderzusetzen, und erzeugte so eine sehr persönliche Erfahrung des Gebäudes und der Skulptur. Doch El Serpente hatte auch eine funktionale und soziale Komponente. So wurde es auch als Kulisse für Tanzdarbietungen genutzt, etwa diejenige, die von Luis Buñuel choreografiert und der Tanztruppe von Walter Nick aufgeführt wurde. Indem sie zur Teilnahme am und in der Interaktion mit dem sie umgebenden Raum einlädt, erweiterte El Serpente die Parameter der rein rationalen konkreten Kunst.

Megan Hines

Biografie von Mathias Goeritz

  • Geboren 1915 in Danzig, Deutschland
  • Gestorben 1990 in Mexiko-Stadt, Mexiko

Der in Deutschland geborene Architekt, Künstler und Autor Mathias Goeritz besuchte neben seinem Studium der Philosophie und Kunstgeschichte an der Friedrich-Wilhelms- Universität in Berlin (Dissertation 1940) Zeichenkurse an der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule Berlin-Charlottenberg. Während des Zweiten Weltkriegs emigrierte er nach Spanisch-Marokko, wo er zwischen 1941 und 1944 lebte und unterrichtete. Nach dem Krieg ließ sich Goeritz in Spanien nieder und begann mit der Malerei. 1948 zählte er zu den Gründungsmitgliedern des offenen Künstlerforums Escuela de Altamira. Im Jahr darauf zog er nach Mexiko – Ignacio Díaz Morales hatte ihm dort ein Lehramt an der Escuela de Arquitectura der Universidad de Guadalajara angeboten, das er bis 1954 innehatte. 1953 präsentierte Goeritz im Rahmen seines wegweisenden Architekturprojekts Museo Experimental El Eco sein Manifiesto de la Arquitectura Emocional (Manifest der Emotionellen Architektur) und La serpiente de El Eco (Die Schlange von El Eco, 1953), eine seine ersten großformatigen Skulpturen. Nach dem Umzug nach Mexiko- Stadt im Jahr 1954 konzentrierte er sich auf abstrakte Skulpturen im öffentlichen Raum, die häufig in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern entstanden, darunter Luis Ramiro Barragán Morfín (Torres de Satélite [Satellitentürme], 1957). In den späten 1950er-Jahren begann Goeritz die Werkserie Mensajes dorado (Goldene Botschaften) – spirituell motivierte abstrakte Monochrome in Blattgold auf Holz. Ab 1961 kehrte er zu seinen einstigen großformatigen Gemeinschaftsarbeiten zurück und arbeitete auch in Jerusalem.