Norman Lewis

Bonfire (Leuchtfeuer)

Lewis Bonfire Studio Museum 1500 - © Estate of Norman W. Lewis
  • Norman Lewis
  • Bonfire (Leuchtfeuer)
  • 1962
  • Öl auf Leinwand
  • 162.6 × 126.7 cm
  • The Studio Museum in Harlem; gift of the Estate of Norman Lewis 1981.1.2 - © Estate of Norman W. Lewis

Norman Lewis’ Gemälde der 1930erund frühen 40er-Jahre im Stil des Sozialistischen Realismus waren vor allem figürliche Werke, die notleidende Menschen zeigten. Mitte der 1940er-Jahre ging Lewis dann zum Abstrakten Expressionismus über. Doch auch in diesen späteren Gemälden thematisierte Lewis seine Anliegen als Bürgerrechtler und spielte in ihnen auf strittige Landfragen, Fälle von Brandstiftung und Aktivitäten des Klu-Klux-Klan an. Von 1963 bis 1965 leitete er Spiral, eine Organisation schwarzer Künstler, die im Fahrwasser der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung gegründet worden war. Bei den Treffen der Gruppe, die ursprünglich in Romare Beardens New Yorker Atelier in Manhattan stattfanden, setzte sich Lewis für einen größeren Spielraum für abstrakte Künstler ein.

Mit seinen intensiven, lebhaften Farben setzte Lewis in Bonfire (1962) seine formale Erkundung der Farbgebung fort, mittels derer er sich zu Beginn seiner Laufbahn einen Namen gemacht hatte. Das Nebeneinander von Komplementärfarben, in diesem Fall Orange und Blau, führt automatisch zu einem visuellen Wechselspiel von Anziehung und Abstoßung. Im Zentrum der großen Leinwand umfängt eine Schwade ultramarinfarbener Blautöne einen feurig orangenen Kern, der von farbenprächtigen, hieroglyphenartigen Figuren umringt ist. Die Stimmung des Gemäldes mit seiner warmen und leuchtenden Mitte, die an glühende Asche denken lässt, ist von Freude erfüllt. Doch der Titel legt auch etwas Bedrohliches nahe und lässt an Lynchmorde, Brandbomben und Feuerwehrschläuche denken, die in den aufgewühlten 1960ern auf amerikanische Bürgerrechtler gerichtet waren.

Adrianna Campbell

Biografie von Norman Lewis

  • Geboren 1909 in New York, New York, Vereinigte Staaten
  • Gestorben 1979 in New York, New York, Vereinigte Staaten

Norman Lewis gilt als Individualist unter den Abstrakten Expressionisten. Nachdem er an der Highschool Werbegrafik studiert hatte, fuhr er in den Gewässern Südamerikas und der Karibik mehrere Jahre zur See. In den 1930er-Jahren studierte er an der Columbia University, besuchte Kurse bei Augusta Savage (1892–1962) und schloss sich der sogenannten 306 Group an – einer in Harlem ansässigen afroamerikanischen Künstlergruppe mit 306 Mitgliedern. 

Zu dieser Zeit begann er im Stil des sozialkritischen Realismus zu malen. Er war ein politischer Künstler, arbeitete für das Programm der Works Progress Administration und gehörte bald fest zur Harlemer Künstlergemeinschaft. In den 1940er-Jahren schuf er gestische, vom Jazz inspirierte Gemälde in leuchtenden Farben mit atmosphärischen Effekten und kalligrafischen Linien, die in dynamischen, schwarmartigen Formationen arrangiert waren. 

Ab 1949 hatte er eine Reihe von Einzelausstellungen in der Willard Gallery in New York; 1951 war er in der Ausstellung Abstract Painting and Sculpture in America im Museum of Modern Art in New York vertreten. 

Er war Mitbegründer der 1961 im Zusammenhang mit der Bürgerrechtsbewegung entstandenen Künstlergruppe SPIRAL und der 1969 aus der Taufe gehobenen New Yorker Chinque Gallery für farbige Künstler. 1975 erhielt er ein Guggenheim-Stipendium; 2015 widmete ihm die Pennsylvania Academy of Fine Arts eine große Retrospektive.