Tony Tuckson

Black Woman, Half Length (Schwarze Frau, Halbfigur)

Tuckson Black Woman Half Length Art Gallery Of New South Wales 1500 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Photo: AGNSW
  • Tony Tuckson
  • Black Woman, Half Length (Schwarze Frau, Halbfigur)
  • 1956
  • Öl auf Karton
  • 99 x 70 cm
  • Collection: Art Gallery of New South Wales - Gift of Margaret Tuckson 1977 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Photo: AGNSW

Dieses Gemälde einer schwarzen Frau, das von dem englisch-australischen Künstler Tony Tuckson stammt, bedient sich einer auf die europäische Moderne bezugnehmenden Sprache, stellt aber auch eine regionale Herausforderung für herkömmliche Darstellungsweisen dar. Als Assistent des Direktors der Art Gallery of New South Wales von 1950 bis 1973 spielte Tuckson eine zentrale Rolle bei der Anerkennung und beim Studium der Kunst der Aborigines und der Torres-Strait-Insulaner im Kontext der bildenden Kunst statt innerhalb eines anthropologischen Kontextes. In seinem eigenen Œuvre spiegeln Tucksons spätere abstrakt-expressionistische Werke Einflüsse aus der Tradition des Auftragens von Markierungen in der Kunst der Menschen aus Arnhem Land, die Teil ihrer Bildsprache ist.

Black Woman, Half Length (1956) geht dem detaillierten Studium der indigenen Kunst seitens des Künstlers voraus, lässt aber bereits ein frühes Interesse am taktilen Markieren erkennen, wie es etwa in Körperbemalungen zum Ausdruck kommt. Entsprechend dem künstlerischen Hintergrund und der Ausbildung des Künstlers in England kommt in diesem Werk auch der Einfluss der europäischen Moderne klar zum Ausdruck. In den 1950er-Jahren nahm Tuckson eine Reihe von Studien in Angriff, die unter anderem auf den Werken des fauvistischen Künstlers Henri Matisse (1869‒1964) und des Kubisten Pablo Picasso (1881‒1973) beruhten, doch dieses Werk weist eine größere Nähe zur sogenannten Art brut Jean Dubuffets (1901‒1985) und zur intensiven strukturellen Abstraktion des französischen Tachismus auf. Im Prinzip wird die Oberfläche dieses Gemäldes zu einem psychologischen Raum, in dem das Aufbringen von Markierungen eher eine emotionale Prägung als eine deskriptive Schilderung des menschlichen Körpers darstellt.

Caroline Wallace

Biografie von Tony Tuckson

  • Geboren 1921 in Port Said, Ägypten
  • Gestorben 1973 in Wahroonga, Sydney, New South Wales, Australien

Tony Tuckson, ein bedeutender australischer Künstler und Abstrakter Expressionist, arbeitete mit Bleistift, Kohle, Tusche, Aquarellfarben, Gouache und Mischtechniken. Seine Betonung von Linien und Pinselstrichen spiegelt seine spontane, ausgeprägt gestische Herangehensweise wider. 

Tuckson studierte von 1937 bis 1939 Malerei an der Hornsey School of Art in London und ab 1940 an der Kingston School of Art, während er seinen Militärdienst bei der Royal Air Force ableistete. Als er 1946 nach Sydney versetzt wurde,  studierte er drei Jahre am East Sydney Technical College. 1949 war Tuckson tief beeindruckt von einer Ausstellung, die Kunst der Aborigines von Arnhem Land aus der Sammlung Ronald Berndt zeigte. 

Danach wurde er zunächst Assistent des Direktors, 1957 dann Stellvertretender Direktor der Art Gallery of New South Wales; dort leistete er kuratorische Pionierarbeit, indem er die Kunst der australischen Aborigines und melanesische Kunst förderte und ausstellte. Tuckson malte und zeichnete sein Leben lang und produzierte etwa vierhundertfünfzig Gemälde sowie über tausend Zeichnungen. 

Auch wenn sein Werk in späteren Jahren aufgrund seiner Museumslaufbahn in den Hintergrund trat, hatte er 1970 und 1973 zwei Einzelausstellungen in der Watters Gallery in East Sydney.