Willem de Kooning

Black Untitled (Schwarz Ohne Titel)

De Kooning Black Untitled The Metropolitan Museum Of Art 1500 - © The Willem de Kooning Foundation, New York/VG Bild-Kunst, Bonn 2016 © bpk/The Metropolitan Museum of Art
  • Willem de Kooning
  • Black Untitled (Schwarz Ohne Titel)
  • 1948
  • Öl und Emaille auf Papier auf Holz
  • 75,9 x 101,6 cm
  • Lent by the Metropolitan Museum of Art, From the Collection of Thomas B. Hess, Gift of the heirs of Thomas B. Hess, 1984 (1984.613.7) - © The Willem de Kooning Foundation, New York/VG Bild-Kunst, Bonn 2016 © bpk/The Metropolitan Museum of Art

1948 präsentierte Willem de Kooning Black Untitled (1948) in seiner ersten Einzelausstellung in der New Yorker Charles Egan Gallery. Das Werk gehörte zu einer Serie von Schwarz-Weiß-Gemälden, mit denen er 1946 begonnen hatte. Wie viele der anderen mit der künstlerischen Strömung des Abstrakten Expressionismus assoziierte Künstler beschloss de Kooning, hier mit handelsüblicher Emaillefarbe auf Papier zu arbeiten, das später auf Holz aufgezogen wurde. Da die Emaillefarbe, im Gegensatz zur Ölfarbe, rasch trocknet, ermöglichte sie ihm schnelles Arbeiten. So konnte er mit der weißen Farbe in die schwarze hineingehen, ohne befürchten zu müssen, dass sich die Grautöne vermischen.

Nachdem er die bunten Farben aus seiner Palette entfernt hatte, ließ de Kooning die Formen von Black Untitled aus seinen malerischen Gesten emportauchen. Ohne die Einschränkung durch Buntfarbigkeit verlaufen die getröpfelten Linien und Pinselstriche wellenförmig über die Bildoberfläche. Vornehmlich weiße Farben links und dunklere rechts unterteilen die Komposition in zwei Hälften. Wie in allen Hauptwerken de Koonings aus dieser Zeit kommen biomorphe Gebilde zum Vorschein, Formen, die zwar an Frauenkörper und Landschaften denken lassen, sich hier jedoch einer mimetischen Darstellung entziehen. Diese markanten Kontraste sind das, was Black Untitled (Schwarz Ohne Titel) von den monochromen und unbunten Gemälden von de Koonings Künstlerkollegen wie Franz Kline (1910‒1962) und Robert Rauschenberg (1925‒2008) unterscheidet. Umgekehrt weist dieses Werk eine starke Ähnlichkeit mit dem Werk eines anderen abstrakten Expressionisten auf, des als »Action Painter« bezeichneten Jackson Pollock (1912‒1956).

Adrianna Campbell

Biografie von Willem de Kooning

  • Geboren 1904 in Rotterdam, Niederlande
  • Gestorben 1997 in East Hampton, New York, Vereinigte Staaten

Willem de Kooning begann 1916 eine Lehre als Grafiker und besuchte nebenher Abendkurse an der Academie voor Beeldende Kunsten in Rotterdam. 1926 emigrierte er illegal in die Vereinigten Staaten und gelangte ein Jahr darauf nach New York. Bald freundete er sich mit Avantgardekünstlern wie Arshile Gorky (1904–1948) und Stuart Davis (1982–1964) an. Während der Großen Depression wurde er Mitglied der Artists’ Union (1934) und schuf Wandgemälde für das Federal Art Project der Works Progress Administration (1935).

Ende der 1940er-, Anfang der 1950er-Jahre entwickelte er sich zu einem führenden Vertreter jener einflussreichen Kunstrichtung, die als Action-Painting oder Abstrakter Expressionismus bezeichnet und von der sogenannten New York School, einer Gruppe amerikanischer Künstler, propagiert wurde. Ihr Verständnis von – komplett abstrakter – Malerei basierte auf Empfindungen, Körpereinsatz und Gestik. 1948 hatte de Kooning seine erste Einzelausstellung in der Charles Egan Gallery in New York. Die mit Kritikerlob überschüttete Schau enthielt auch seine inzwischen berühmt gewordenen Schwarz-Weiß-Gemälde.

Trotz seines frühen Erfolgs mit der Abstraktion erprobte de Kooning immer wieder neue Stilrichtungen, Methoden und Medien, ob Zeichenkunst, Bildhauerei oder Lithografie. Inspiriert von Action-Painting und Kubismus und zugleich angezogen von der figurativen Malerei, begann de Kooning 1950 mit seinem bahnbrechenden Woman-Zyklus. 1968 widmete ihm das Museum of Modern Art in New York eine Retrospektive, die in fünf Städten gezeigt wurde.