Jack Whitten

Birmingham

Whitten Birmingham Collection Of Joel Wachs 1500 - © Jack Whitten/VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Courtesy of the artist and Hauser & Wirth, New York and Zeno X Gallery, Antwerp
  • Jack Whitten
  • Birmingham
  • 1964
  • Alufolie, Zeitungspapier, Strumpf, Öl auf Sperrholz
  • 42.2 × 40.6 cm
  • Collection of Joel Wachs - © Jack Whitten/VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Courtesy of the artist and Hauser & Wirth, New York and Zeno X Gallery, Antwerp

Jack Whitten wuchs in Bessemer, Alamaba, auf, wo die Rassentrennung die erste Phase seines Lebens prägte. Wütend und ungeduldig angesichts des Widerstands gegen den gesellschaftlichen Wandel im amerikanischen Süden zog er nach New York, um dort an der School of Art der Copper Union zu studieren. Hier erlebte er erstmals eine Gemeinschaft, in der verschiedene Rassen gleichberechtigt zusammenlebten. In New York begann er aufgrund des Einflusses bereits etablierter Vertreter des Abstrakten Expressionismus wie Franz Kline (1910–1962), Willem de Kooning (1904–1997) und Norman Lewis (1909–1979) die Abstraktion zu erkunden, setzte sich aber dennoch auch weiterhin für die Ziele der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung ein. 

Whitten schuf Birmingham (1964), indem er Aluminiumfolie auf eine vorher von ihm mit schwarzer Ölfarbe bemalte Sperrholztafel klebte. Die dramatische Gebärde des Werks rührt nicht von der Art der Oberflächenbehandlung mit Farbe, wie dies bei den Werken des Abstrakten Expressionismus der Fall ist, sondern von dem in Richtung des Betrachters auskragenden Durchstich in der Mitte des Bildes, der einen flüchtigen Blick auf das vermittelt, was sich darunter befindet, nämlich ein Zeitungsfoto eines Polizisten mit einem Hund, der einen afroamerikanischen Demonstranten 1963 während eines Bürgerrechtsmarsches in Birmingham, Alabama, angreift. Obwohl das aufgesprengte Loch auf eine klaffende Wunde im Gemeinwesen hinweist, distanziert es sich zugleich auch von der „All-over-Malerei“ des Abstrakten Expressionismus, bei dem sich das Geschehen ausschließlich an der Oberfläche abspielt.

Adrianna Campbell

Biografie von Jack Whitten

  • Geboren 1939 in Bessemer, Alabama, Vereinigte Staaten

Jack Whitten arbeitet gestisch-abstrakt und bezieht dabei Aspekte von Skulptur und Collage mit ein. Während seines Medizin-Vorstudiums am Tuskegee Institute entdeckte Whitten den Nachlass des Erfinders, Wissenschaftlers und Künstlers George Washington Carver (1860–1943). 

Ende der 1950er-Jahre, während seines Kunststudiums an der Southern University in Baton Rouge, Louisiana, engagierte er sich in der Bürgerrechtsbewegung. Whitten ging 1960 nach New York und erwarb 1964 einen BFA-Abschluss an der Cooper Union. 

In den 1960er-Jahren schuf er dynamische Arbeiten, die von farbkräftigen Abstraktionen bis zu den gespenstischen Evokationen seiner Serie Head (1964) reichen. Er experimentiert oft mit Farben, Techniken und Materialien (Eisenoxyd, trockene Pigmente, zerstoßenes Mylar, Asche, Knochen und Blut). 

In den 1970er-Jahren erzeugte er mithilfe von Rakeln, Rechen und afrikanischen Kämmen strukturierte Bildoberflächen. In den 1980er-Jahren betrachtete er das Farbmaterial als eine Art Haut; in den 1990ern begann er, Bilder aus kleinen bemalten Kacheln anzufertigen. 

Whittens Werke wurden auf der 55. Biennale von Venedig (2013), im New Yorker MoMA PS1 (2007) und im Studio Museum in Harlem, New York, (2006) ausgestellt. 2014 verlieh ihm das San Francisco Art Institute die Ehrendoktorwürde.