Hélio Oiticica

B17 Glass Bólide 05 "Homage to Mondrian" (B17 Glas-Bolid 05 "Hommage an Mondrian")

Oiticica B17 Glass Bólide 05 Homage To Mondrian Tate 1500 - © Projeto Hélio Oiticica © Tate, London 2016
  • Hélio Oiticica
  • B17 Glass Bólide 05 "Homage to Mondrian" (B17 Glas-Bolid 05 "Hommage an Mondrian")
  • 1965
  • Glas, Textil, Wasser, Pigment, Korken
  • 30 x 47,5 x 60 cm
  • TATE: Purchased with Assistance from the American Fund for the TATE Gallery, TATE Members and the Art Fund 2007 - © Projeto Hélio Oiticica © Tate, London 2016

Hélio Oiticica, der sich lange an den Beschränkungen rieb, die mit dem Rahmen einer planen Bildfläche verbunden sind, suchte neue Formen in der Kunst, die die Grenze zwischen dem dargestellten und dem realen Raum aufheben würden. Eine Lösung für dieses Problem fand er in seiner Serie Bólide (Bolid). Mit diesem Begriff bezeichnet man in der Astronomie einen besonders hellen Meteor oder Feuerball. Die Boliden erinnern an oder bestehen aus Alltagsgegenständen wie Schränken, Schubladen und in diesem Fall einem Glasgefäß, das mit verschiedenen Materialien, darunter Pulver, Erde, Kieselsteine, Muscheln, Gaze und Flüssigkeiten, gefüllt ist.

B17 Glass Bólide 05 »Homage to Mondrian« (1965) ist dem niederländischen Avantgardekünstler Piet Mondrian gewidmet, wie die Farben Rot, Blau und Gelb andeuten, die dessen Œuvre kennzeichnen. In seinem reifen Werk verwendete Mondrian ausschließlich diese drei Primärfarben sowie Schwarz, Weiß und Grau. 1953 waren Werke Mondrians, darunter sein bahnbrechendes Gemälde Broadway Boogie Woogie (1942‒1943) auf der zweiten Bienal de São Paulo zu sehen, die der damals 16-jährige Oiticica mit seiner Familie besuchte. Mondrians neoplastische Gemälde und theoretische Schriften erwiesen sich als höchst einflussreich für die Entwicklung der brasilianischen Kunst der Nachkriegszeit. Seine Werke prägten die theoretischen Schriften des Dichters Ferreira Gullar, der Mondrian 1959 in seinem Manifesto Neoconcreto (Neokonkretes Manifest) als den »wahren Künstler« bezeichnete. Dieser programmatische Text kündigte eine neue Welle der brasilianischen Avantgarde an, in der Oiticica eine führende Rolle spielte.

Daniel Milnes

Biografie von Hélio Oiticica

  • Geboren 1937 in Rio de Janeiro, Brasilien
  • Gestorben 1980 in Rio de Janeiro, Brasilien

Hélio Oiticicas Untersuchungen zum Wesen der Kunst führten ihn dazu, die Grenzen zwischen Kunst, Leben und Betrachter infrage zu stellen. Seine künstlerische Laufbahn begann 1954, als er bei Ivan Serpa am Museu de Arte Moderna in Rio de Janeiro Malerei studierte. 

1955 wurde er Mitglied des Grupo Frente und begann, an zahlreichen Ausstellungen Konkreter und Neokonkreter Kunst teilzunehmen; 1959 schloss er sich der Bewegung des Neokonkretismus an. 1970 erhielt er ein Guggenheim-Stipendium, das ihm ermöglichte, nach New York zu ziehen, wo er von 1970 bis 1978 lebte. 

Er hinterfragte während seiner gesamten Laufbahn die zweidimensionale Bildebene (Metaesquemas, 1957/58) und untersuchte die Partizipation der Betrachter (Bilaterais, 1959), vergängliche Materialien, die Dimensionen der Farbe (Invenções, 1959–1962) und multisensorische Kunst (Bólides). Zu seinen wichtigsten Werkgruppen gehören die Parangolés (mobile Skulpturen, Kostüme) und Penetrables (begehbare Farbinstallationen); beide waren Elemente seiner bahnbrechenden Arbeit Tropicália (1967), einer immersiven Installation, der die Bewegung des Tropicalismo ihren Namen verdankt. Neben seiner Arbeit als bildender Künstler verfasste Oiticica auch zahlreiche kunsttheoretische Schriften.