Ernst Wilhelm Nay

Augen

Nay Eyes Ernst Wilhelm Nay Stiftung 1500 - © Elisabeth Nay-Sheibler, Köln/VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Photo: Lothar Schnepf, Köln
  • Ernst Wilhelm Nay
  • Augen
  • 1963
  • Öl auf Leinwand
  • 200 x 160 cm
  • Aurel Scheibler, Berlin - © Elisabeth Nay-Sheibler, Köln/VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Photo: Lothar Schnepf, Köln

Zwischen 1963 und 1964 begann Ernst Wilhelm Nay mit der Arbeit an seinen Augen-Bildern. Für ihn war dies die Weiterentwicklung einer Serie von Scheiben-Bildern (1954–1962), deren Ausgangspunkte der Kreis sowie dessen Permutationen und Distorsionen gewesen waren. Das Augenmotiv entdeckte Nay, als er seiner abstrakten Malweise weitere grafische Elemente hinzufügte. Dabei zog er zunächst die Ränder der Rundformen nach und verstärkte sie durch Kontrastfarben. Dann streckte er die runden Formen zu Ovalen, ließ sie spitz zulaufen und legte sie über den darunterliegenden Kreis, wodurch sich der Eindruck eines Auges ergab. Zusätzliche Kreise und Punkte innerhalb dieses Ovals markierten Iris und Pupille.

1964 sollte Nay für die documenta III in Kassel erneut eine Gruppe von Augen-Bildern machen. Die drei jeweils vier Quadratmeter großen Gemälde wurden damals direkt an der Decke angebracht, was für großes Aufsehen sorgte, aber neben Lobeshymnen auch heftige Kritik hervorrief. Zwar erscheint diese Hängung durchaus angemessen – Werktitel wie Meteor ermöglichen Assoziationen mit den Elementen oder mit dem Firmament –, heftig diskutiert wurde dennoch die Tatsache, dass sie nicht auf Nays eigenes Konzept, sondern auf eine Idee des künstlerischen Leiters der Ausstellung, Arnold Bode, zurückging. In den Pressestimmen zur documenta III waren Kritiker und Künstler somit gleichermaßen geteilter Meinung über die Augen-Reihe.

Daniel Milnes

Biografie von Ernst Wilhelm Nay

  • Geboren 1902 in Berlin, Deutschland (damals Deutsches Reich)
  • Gestorben 1968 in Köln, Deutschland

Von 1925 bis 1928 studierte Ernst Wilhelm Nay bei dem deutschen Expressionisten Karl Hofer (1878–1955) Malerei an der Hochschule der Künste Berlin. Nay interessierte sich insbesondere für die Gemälde von Henri Matisse (1869–1954), Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938), Caspar David Friedrich (1774–1840) und Nicolas Poussin (1594–1665). 1931 erhielt er ein Stipendium für einen neunmonatigen Aufenthalt in der Villa Massimo in Rom. 

1937 wurde er in Deutschland mit Ausstellungsverbot belegt; zwei seiner Werke wurden in der Ausstellung Entartete Kunst gezeigt. Noch im gleichen Jahr erhielt Nay ein von Edvard Munch (1863–1944) finanziertes Stipendium, das ihm einen Studienaufenthalt in Norwegen ermöglichte. 

1940 wurde er zum Kriegsdienst einberufen und gelangte als Infanterist nach Frankreich, wo er im Atelier eines französischen Künstlers heimlich malte. Zwischen 1945 und 1948 entstanden Bilder mit Motiven aus Mythologie und Dichtung, in denen er das Trauma des Zweiten Weltkriegs verarbeitete. 1950 organisierte die Kestnergesellschaft in Hannover die erste Retrospektive seines Werks. 

Nach seinem Umzug nach Köln im Jahr 1951 malte Nay ausschließlich abstrakt. Er stellte 1956 auf der Biennale von Venedig und 1955, 1959 und 1964 auf der documenta in Kassel aus.