Frank Stella

Arbeit Macht Frei

Stella Arbeit Macht Frei Private Collection 1500
  • Frank Stella
  • Arbeit Macht Frei
  • 1958
  • Emaille auf Leinwand
  • 215,5 cm x 308,6 cm
  • Privatsammlung © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Frank Stella arbeitete als Minimalist und war in den 1960er-Jahren Pionier der „Post-Painterly Abstraction“. Sein frühes minimalistisches Gemälde Arbeit Macht Frei (1958) gehört zu seiner Schwarzen Serie (1958–1960), mit der er sich von der großen Geste und der emotionalen Linienführung des Abstrakten Expressionismus distanziert. Stella trennt die parallel laufenden schwarzen Streifen rigoros – bei den Black Paintings führte er die geschichteten schwarzen Streifen mit dem Pinsel aus, nicht mit einem Farbroller, und die weißen Linien sind nicht gemalt, sondern zeigen die rohe Leinwand – bis ein sich wiederholendes Muster aus Rechtecken entsteht, die über den Rand der Leinwand, hinwegzulaufen‘ scheinen. 

Das Bild selbst mutet kühl und unpersönlich an, im Gegensatz zu dem aufrüttelnden Werktitel, der jenen Schriftzug zitiert, der sich über den Eingangstoren mehrerer NS-Konzentrationslager befand. Arbeit Macht Frei weist jedoch jegliche Assoziation zurück, der Satz steht hier für sich selbst. Stella erzeugt somit eine Spannung zwischen dem Titel und den formalen Aspekten des Gemäldes: Indem er den berüchtigten Satz aus dem historischen Kontext herausreißt, hebt er dessen Bedeutung hervor. Die primitive Ironie dieses nationalsozialistischen Begriffs und der letztlich sinnlose Genozid haben keinerlei ikonische Funktion. Stellas berühmter Satz aus dem Jahr 1964: „What you see, is what you see“ (Was du siehst ist, was du siehst) lässt sich in diesem Fall also auch so lesen: „What you see is what you are able to see.“ (Was du siehst ist, was du fähig bist zu sehen.) Eine subjektive Darstellung des Holocaust hat Stella stets zurückgewiesen: Das Unrecht an den Juden kann für den unbeteiligten Außenseiter nur unfassbar bleiben.

Petronela Soltész

Biografie von Frank Stella

  • Geboren 1936 in Malden, Massachusetts, Vereinigte Staaten

Frank Stella war in zweifacher Hinsicht ein Pionier: In den 1960er-Jahren bereitete er der neuen Abstraktion (Post-Painterly Abstraction) und ab 1970 der postmodernen Kunst den Weg. Er studierte Geschichte an der Princeton University, wo er sich mit dem abstrakten Maler Walter Darby Bannard (* 1941) und dem Kunsthistoriker Michael Fried (* 1939) anfreundete. 

1958 zog Stella nach New York, wo er während der Blütezeit des Abstrakten Expressionismus einen kühlen, selbstreferenziellen Malstil entwickelte. Seine Black Paintings von 1959 zeigen mit schwarzer Fassadenfarbe aufgebrachte Streifen, die von schmalen Bändern ungrundierter Leinwand durchbrochen sind. 

Fried beschrieb diese Gemälde als „deduktiv“: Das Streifenmuster ergab sich aus der Form des Bildträgers. Stella zeigte diese Arbeiten zum ersten Mal in der Ausstellung Three Americans (1959) am Oberlin College in Ohio und in der Schau Sixteen Americans (1960) am Museum of Modern Art in New York. 1960 begann er unregelmäßig geformte Leinwände „deduktiv“ mit Aluminium- und Kupferfarbe zu bemalen. 

In seiner späteren Protractor-Serie schichtete er Kreise in leuchtenden Farben übereinander. Die Bildtitel rekurrieren auf Städte aus dem Nahen Osten. (Der Titel der Serie wiederum leitet sich vom kreisförmigen Winkelmesser [Protraktor] ab, mit dem Stella die Formen entwarf.) In den 1960er-Jahren war Stella in vielen Ausstellungen vertreten, so z.B. auf der documenta 4 in Kassel (1968). 

1970 wurde ihm als jüngstem Künstler in der Geschichte des New Yorker Museum of Modern Art eine Retrospektive gewidmet. Sein Werk ist seitdem „maximalistischer“ geworden und integriert dreidimensionale, architektonische und expressionistische Elemente.