Ramsès Younane

Arabesques (Arabesken)

Younane Arabesques May Zeid Adel Youssry Khedr Collection 1500 - © Archives Ramsès Younan, Paris, France © Nabil Boutros
  • Ramsès Younane
  • Arabesques (Arabesken)
  • 1961
  • Öl auf Holztafel
  • 90 × 61 cm
  • May and Adel Youssry Khedr Collection, Cairo - © Archives Ramsès Younan, Paris, France © Nabil Boutros

Ramsés Younane experimentierte mit der kalligrafischen Abstraktion, und Arabesques (1961) ist ein herausragendes Beispiel hierfür. Während seiner gesamten Laufbahn zeigte sich Younane mit Ägyptens künstlerischem Establishment unzufrieden, da dieses einen neoklassischen Akademismus bevorzugte und die wichtigen modernistischen Bewegungen außerhalb Ägyptens vernachlässigte. Um dieser rückschrittlichen Tendenz etwas entgegenzusetzen, verfasste er umfangreiche Texte über die Entwicklung der modernen Kunst, in denen es sich nicht zuletzt mit dem Übergang vom Realismus zur Abstraktion befasste. In dem Bemühen, Ägypten an die Abstraktion mit ihren Implikationen freien künstlerischen Ausdrucks heranzuführen, war Younane Mitbegründer der Gruppe Kunst und Freiheit, die eine Alternative zu den in sich stagnierenden Kunstakademien darstellte und sich stattdessen einer surrealistischen Form ungehemmter künstlerischer Untersuchungen befleißigte. Younane selbst verschrieb sich eine Weile ganz dem Surrealismus und identifizierte sich mit dessen konzeptuellen Schwankungen zwischen äußerer Realität und subjektivem Verständnis. 

In Arabesques konstruiert Younane ein fantastisches Reich von abstrakter und gestischer Mehrdeutigkeit und bedient sich der kalligrafischen Zeichen, um eine surreale Landschaft zerklüfteter Ruinen und Gipfel in erdigen Brauntönen herauszuarbeiten, die sich auf sanfte blaugrüne Leerräume hin öffnet. Das rätselhafte Bild vermeidet spezifische kulturelle Bezüge und lädt die Betrachter stattdessen zu einer persönlichen Auseinandersetzung mit Farbe und Repräsentation ein. Der Titel Arabesques (Arabesken) bezieht sich auf ein charakteristisches Motiv des islamischen Designs, das Teil der reichen Schmuck- und Architekturtradition Ägyptens ist. Durch diesen sprachlichen Hinweis scheint der Künstler darauf hinzudeuten, dass sich die traditionellen arabisch-islamischen Formen von akademischen Begrenzungen befreien und innerhalb modernistischer Paradigmen wiederbelebt werden kann. Arabesques, das fünf Jahre vor seinem Tod entstand, gilt als eines von Younanes Werken aus seiner Reifezeit. Sein Lebenswerk verschaffte ihm den Ruf, einer von Ägyptens führenden Vertretern der expressiven Abstraktion zu sein.

Tiffany Floyd

Biografie von Ramsès Younane

  • Geboren 1913 in Minia, Ägypten (damals Osmanisches Reich)
  • Gestorben 1966 in Ägypten

Ramsès Younane gilt als einer der Gründer des ägyptischen Surrealismus. 1933 beendete er sein Studium an der École des Beaux-Arts in Kairo; 1934 begann er an einem Gymnasium Kunst zu unterrichten. 

Von 1939 bis 1946 war er Mitglied der trotzkistischen Gruppe Art et Liberté. Er war Mitherausgeber einer Reihe von linken Zeitschriften, so z.B. La Part du Sable (zusammen mit dem Dichter Georges Henein, 1914–1973) und al-Tatawwur, dem ersten sozialistischen Magazin Ägyptens. 

Von 1942 bis 1944 war Younane Chefredakteur von Al Magalla al Gedida, der ersten arabischsprachigen trotzkistischen Zeitschrift. Nach dem Zweiten Weltkrieg emigrierte er nach Frankreich; 1947 beteiligte er sich an den internationalen Surrealismus-Ausstellungen in Paris und Prag. 

1948 publizierte er mit Henein den Text Notes sur une ascèse hystérique, in dem er den Surrealismus punktuell kritisierte, insbesondere die Methode des Automatismus und seine Affinität zum Marxismus. Noch im selben Jahr brach er mit den französischen Surrealisten. 

Younane übersetzte Werke von Albert Camus, Franz Kafka und Arthur Rimbaud ins Arabische. 1956 kehrte er nach Ägypten zurück. Er repräsentierte sein Heimatland 1961 auf der Biennale von São Paulo und 1964 auf der Biennale von Venedig.