François Morellet

4 double grids 0°, 22°5, 45°, 67°5 (4 Doppelraster 0°, 22.5°, 67.5°)

Morellet 4 Double Grids 0 ° 225° 675° Museum Of Contemporary Art Zagreb 1500 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016
  • François Morellet
  • 4 double grids 0°, 22°5, 45°, 67°5 (4 Doppelraster 0°, 22.5°, 67.5°)
  • 1960–1961
  • Öl auf Holz
  • 80 × 80 cm
  • Courtesy the Museum of Contemporary Art, Zagreb - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

François Morellet war als Künstler Autodidakt. Unter dem Einfluss konkreter und konstruktivistischer Strömungen begann er sich in den 1960er-Jahren mit abstrakter Kunst zu beschäftigen. 1961 war er an der Gründung der Groupe Recherche d’Art Visuelle (GRAV) beteiligt, die in dieselbe Richtung ging wie die internationale Bewegung New Tendencies. Morellets programmatischer Ansatz zielte darauf ab, die subjektive Handschrift des Künstlers hinsichtlich Methode und Komposition vollkommen zu eliminieren. Dies gelang ihm durch den Einsatz regelmäßiger geometrischer Formen und einer begrenzten Farbpalette. Grundlage seiner Arbeit waren mathematische Formeln, vorab festgelegte Beschränkungen und Zufallsverfahren, die Morellet nicht auf individuelle Kreativität oder künstlerische Konventionen, sondern auf eine wissenschaftlich- experimentelle Methode zurückführte. „Wir stehen am Vorabend einer Revolution in der Kunst, die genauso groß sein wird wie diejenige in der Wissenschaft“, erklärte Morellet 1961. „Aus diesem Grund sind Intuition und individualistische Expression durch gesunden Menschenverstand und systematische Forschung zu ersetzen.“ 

In 4 Double Grids 0°, 22.5°, 67.5° (1960–1961) gelangt Morellet durch systematische Untersuchung des Rasters zu einer hochkomplexen abstrakten Komposition. Dieses Werk gehört zu einer Reihe von Gemälden mit durchgehenden Mustern, die er durch Überlagerung und gegenseitige Rotation regelmäßiger Raster entwickelte. Das jeweils verwendete Verfahren lässt sich dem Werktitel entnehmen, in dem die konkreten Rotationswinkel genannt sind. Durch diese Vorab-Festlegung der Parameter minimiert Morellet seine eigene Rolle – die Kompositionen entstehen gleichsam von selbst, nach einem objektiven, mathematischen System.

Rachel Wetzler

Biografie von François Morellet

  • Geboren 1926 in Cholet, Frankreich
  • Gestorben 2016 in Cholet, Frankreich

François Morellets Werk umfasst Zeichnungen, Gemälde, Objekte und Installationen. 1960 gründete er in Paris mit anderen Künstlern die Gruppe GRAV (Groupe de Recherche d’Art Visuel), eine Vereinigung von Vertretern der Op-Art und der kinetischen Kunst. 

Ihre Werke arbeiteten mit Licht, Motoren und bildhauerischen Materialien und bezogen oft das Publikum mit ein. Morellet war zu großen Teilen Autodidakt, nahm aber Malunterricht bei einem professionellen Künstler. Von 1948 bis 1975 leitete er die Spielzeugautofabrik, die sein Vater gegründet hatte, wodurch er, in Cholet und Paris, seiner künstlerischen Tätigkeit in finanzieller Unabhängigkeit nachgehen konnte. 

1950 wandte er sich der Abstraktion zu; im selben Jahr wurden seine Werke erstmals in einer Einzelausstellung in der Galerie Creuze in Paris gezeigt. Seine Gemälde sind durch kleinteilige Strukturen aus geometrischen oder stilisierten Elementen gekennzeichnet. In ihnen zeigt sich deutlich, wie Morellet festgelegte Regeln anwandte, die auch vom Zufall bestimmt sein konnten. 

Ab 1963 waren Neonröhren, die rhythmisch an- und wieder ausgingen, sein bevorzugtes Material für Skulpturen und Installationen. Morellet nahm an der Kasseler documenta (1964, 1968, 1977) und an der Biennale in Venedig (1970) teil; 1970 war er auch im französischen Pavillon der Weltausstellung in Osaka vertreten. Die erste Retrospektive seiner Arbeiten wurde 1977 in der Berliner Nationalgalerie gezeigt, die letzte 2011 im Centre George Pompidou in Paris.