Max Bill

22

Bill 22 Kunstmuseum Winterthur 1500 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 © Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft Zürich, Lutz Hartmann
  • Max Bill
  • 22
  • 1953/(nach 1980)
  • Marmor
  • 78,5 x 78,5 x 60,5 cm
  • Kunstmuseum Winterthur, Ankauf, 1984 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 © Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft Zürich, Lutz Hartmann

Max Bill war ein überzeugter Verfechter des "Prinzips der Ordnung". Seine Entwürfe hatten im Einklang zu stehen mit "mathematischem Denken", der Grundlage jeglicher menschlichen Erfahrung. Seine Marmorskulptur 22 (1953/1980) verkörpert die konkrete Kunst, die jegliche Abhängigkeit von externen, natürlichen Phänomenen negiert und stattdessen unmittelbar aus dem Geist des Künstlers hervorgeht. In der vertikalen Ebene der Skulptur sind 22 Bohrungen spiralförmig angeordnet. Sie repräsentieren jedoch nicht nur einfach stufenweises Wachstum, sondern sind eine Variation der berühmten Fibonacci-Spirale, die sich aus einer bestimmten Zahlenfolge ergibt und auf der sogenannten Goldenen Spirale basiert. 

Der radikale 90-Grad-Winkel zwischen den beiden Flächen findet sich auch in Bills späterer Architektur, insbesondere der Hochschule für Gestaltung in Ulm sowie seinem Wohn- und Atelierhaus in Zumikon bei Zürich. Wie bei 22 basiert die Eleganz dieser Bauten auf der Einfachheit und Harmonie der Linien und Oberflächen sowie der rechtwinkligen Anordnung der Flächen, wodurch das Verhältnis von Sockel und Struktur hervorgehoben wird.

Damian Lentini

Biografie von Max Bill

  • Geboren 1908 in Winterthur, Schweiz
  • Gestorben 1994 in Berlin, Deutschland

Max Bill gehörte zu den begeisterten Vertretern des „Ordnungsprinzips“ und versuchte in beinahe allen seinen Entwürfen einem „mathematischen Denken“ zu folgen, das für ihn die Grundlage der menschlichen Wahrnehmung bildete. Von 1927 bis 1929 studierte der gelernte Silberschmied am Bauhaus in Dessau. In den 1930er-Jahren ließ er sich vom neoplastizistischen Konzept der Bewegung De Stijl (1917–1931) beeinflussen und orientierte sich insbesondere an der von Theo van Doesburg (1883–1931) in dessen Manifest Base de la peinture concrète (1930, dt. Die Grundlagen der konkreten Malerei) formulierten Theorie.
Bill nahm diesen Essay als Ausgangspunkt für seine eigene Erforschung konkreter Formen; 1944 organisierte er in der Kunsthalle Basel die maßgebliche Ausstellung Konkrete Kunst.

1953 zählte Bill zu den Mitbegründern der Hochschule für Gestaltung Ulm, deren Universitätsgebäude er entwarf. Er war zudem an der Ausarbeitung des sich am Bauhaus orientierenden Curriculums beteiligt, das später um wissenschaftliche und künstlerische Fächer erweitert wurde.

Während der Nachkriegszeit war sein Schaffen mit einer intensiven Ausstellungstätigkeit verbunden. Seine Skulptur Dreiteilige Einheit ‒ sie wurde 1951 auf der Bienal de São Paulo in Brasilien mit dem ersten Preis ausgezeichnet ‒, sollte die Rezeption der Konkreten Kunst in Lateinamerika wesentlich beeinflussen.

Bills Arbeiten wurden auf zahlreichen internationalen Ausstellungen präsentiert, darunter auf den ersten drei Ausgaben der documenta (1955, 1959, 1964), in einer Retrospektive im Kunsthaus Zürich (1968/69), in der Albright-Knox Art Gallery in Buffalo, im Los Angeles County Museum of Art (1974) und im Solomon R. Guggenheim Museum in New York (1988).