Jiří Kolář

  • Geboren 1914 in Protivín, Österreich-Ungarn
  • Gestorben 2002 in Prag, Tschechische Republik

Der autodidaktische Künstler Jǐrǐ Kolář begann im Alter von 20 Jahren aus Texten und Bildern, die er aus Zeitschriften ausgeschnitten hatte, Collagen zusammenzustellen. Dieses Medium gab seine Haltung zum geteilten Europa vor und während des Zweiten Weltkriegs am besten wieder. 

Nach dem Krieg boten ihm die Collagen ein Ventil für seine Kritik an der von den Sowjets kontrollierten kommunistischen Regierung. Kolář erfand neue Collagetechniken wie die Konfrontage, die Froissage und die Rollage, wurde aber vor allem durch seine schriftstellerische Tätigkeit bekannt. 

Seine Gedichte kreisen, ähnlich wie seine Collagen, um die Thematik der Zerstörung. 1941 erschien seine erste Gedichtsammlung unter dem Titel Křestný list. Während des Zweiten Weltkriegs war Kolář Mitglied der Gruppe 42. 1945 zog er nach Prag, wo er als Verlagsredakteur arbeitete. Noch im selben Jahr trat er der Kommunistischen Partei bei – um sie bereits wenige Monate später wieder zu verlassen. 

In den 1950er-Jahren landete er als Dissident im Gefängnis; 1949 und in den 1960er-Jahren standen seine Texte auf der schwarzen Liste. 1963 stellte er in London und damit erstmals im Ausland aus. 1969 wurde er auf der Biennale von São Paulo mit dem ersten Preis ausgezeichnet; 1975 zeigte das Guggenheim Museum in New York eine Retrospektive seines Werks. Nachdem er 1977 die Charta 77 mitunterzeichnet hatte, wurde er aus der Tschechoslowakei ausgewiesen. 1980 zog er nach Paris, nach der Samtenen Revolution von 1989 kehrte er nach Prag zurück.