Hervé Télémaque

  • Geboren 1937 in Port-au-Prince, Haiti

Hervé Télémaque verließ sein Herkunftsland Haiti 1957, um einem zunehmend von Korruption geprägten politischen Umfeld zu entkommen, und zog nach New York, wo er bis 1960 an der Art Students League studierte. 

In dieser Zeit entdeckte er den Abstrakten Expressionismus und eine amerikanische Variante des Surrealismus, die insbesondere von Arshile Gorky (1904–1948) vertreten wurde. Nach dem Abschluss seines Studiums verließ Télémaque die USA wegen seines Unbehagens angesichts des Rassismus, der offiziellen Politik und des inzwischen allgegenwärtigen Abstrakten Expressionismus. 

Er ging nach Paris, wo er seine künstlerische Laufbahn fortsetzte und zu einem führenden Vertreter der französischen Pop-Art wurde. Wahrscheinlich unter dem Eindruck der amerikanischen und der britischen Pop-Art, die 1964 auf der Biennale von Venedig gezeigt wurde, entwickelten Télémaque und andere französische Künstler die Bewegung der „Figuration narrative“. 

Unter der Leitung des Kunstkritikers Gérard Gassiot-Talabot (1929–2002) organisierten Télémaque und andere Künstler die berühmte Gruppenausstellung Mythologies quotidiennes (1964), um ihren neuen Ansatz in der Malerei bekanntzumachen. Zu dieser Zeit nutzte Télémaque die Techniken der Collage und Assemblage, arbeitete aber auch in den Gattungen Malerei, Skulptur und Grafik. 

Seine Kompositionen in kräftigen Farben stellen Alltagsgegenstände in manchmal verwirrenden, manchmal banalen Szenen dar, die stets auf seine kritische Interpretation und Aneignung der Populärkultur durch Massenmedien, Werbung und Comics verweisen.